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Aktuelle Pressemitteilungen

Statin-Therapie: Atherosklerose ist reversibel

Pressetext als PDF Statement von Prof. Dr. Raimund Erbel / Essen

Aktuelle Studiendaten zeigen, dass die Bildung atherosklerotischer Gefäßveränderungen umkehrbar ist. Unter Therapie mit hochdosierten Statinen werden die gefährlichen Plaques in den Gefäßen nachweislich kleiner. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass strenge Zielwerte für das LDL-Cholesterin erreicht und eingehalten werden.

Atherosklerose ist keine pathologische Einbahnstraße. Das legen aktuelle Daten zur Wirksamkeit blutfettsenkender Medikamente (Statine) nahe. War man bis vor kurzem davon ausgegangen, dass der Prozess der Plaque-Bildung, wenn er einmal begonnen hat, bestenfalls verlangsamt werden kann, so zeigen die Ergebnisse der SATURN-Studie (Study of CoronaryAtheroma by InTravascular Ultrasound: Effect of Rosuvastatin Versus AtorvastatiN), dass es auch in die andere Richtung geht: Atherome (atherosklerotisches Plaques) können unter Therapie schrumpfen. Das ist eine ganz wichtige Studie, die erstmals prospektiv gezeigt hat, dass es bei etwa zwei Dritteln der Patienten zu einer Regression der Plaques kommt, wenn ein LDL-Cholesterin unter 70 mg/dl erreicht wird.

Studienziel von SATURN war eigentlich, Unterschiede in der Wirksamkeit zwischen den beiden Statinen Atorvastatin und Rosuvastatin nachzuweisen, da das HDL unter Rosuvastatin-Therapie stärker als unter Atorvastatin bei gleichzeitiger Absenkung des LDL ansteigt. In der Studie bediente man sich unter anderem einer Methode, die in Statin-Studien eher selten zum Einsatz kommt: Der direkten Kontrolle der atherosklerotischen Gefäßveränderungen mittels intravaskulärem Ultraschall (IVUS). Diese Methode erlaubt gewissermaßen einen direkten Blick auf die Gefäßwand, hat jedoch den Nachteil, dass sie invasiv – es muss eine Ultraschall-Sonde in das Gefäß eingeführt werden – und aufwändig ist und daher nicht zu den klinischen Routineuntersuchungen zählt. Der Vorteil des IVUS liegt jedoch darin, dass er es erlaubt, die unmittelbaren Auswirkungen der Therapie auf die Atherosklerose zu bewerten, während man üblicherweise auf klinische Endpunkte angewiesen ist. Eine Rückbildung der Plaques kann in solchen Endpunktstudien jedoch nur vermutet, nicht nachgewiesen werden.

SATURN zeigte eine gewisse, nicht signifikante Überlegenheit von Rosuvastatin im Vergleich zu Atorvastatin, darüber hinaus jedoch in beiden Gruppen bei intensiver Therapie eine Regression der Plaques, die bei mehr als zwei Drittel der Patienten an Volumen abnahmen. Nach zweijähriger, hochdosierter Therapie erreichten die mit Rosuvastatin behandelten Patienten ein etwas niedrigeres LDL-Cholesterin (62,6 vs. 70,2 mg/dl) und auch höhere HDL-Cholesterinwerte (50,4 vs. 48,6 mg/dl). Mittels IVUS wurden das relative Atheromvolumen im Verhältnis zur Größe der Koronarie (percent atheroma volume, PAV) und das absolute Atheromvolumen (total atheroma volume, TAV) ermittelt. Hinsichtlich des PAV (des primären Endpunkts der Studie) ergab sich eine Reduktion von 0,99 Prozent unter Atorvastatin und 1,22 Prozent unter Rosuvastatin. Die Differenz war nicht signifikant. Hinsichtlich des sekundären Endpunkts PAV erwies sich Rosuvastatin als signifikant überlegen.

Obwohl das primäre Studienziel nicht erreicht wurde, ist das Ergebnis von SATURN als sensationeller Befund zu werten, zeigt es doch, dass die Atherosklerose bei geeigneter Therapie reversibel ist. Die Dosis der Statine muss bei Risikopersonen hoch genug sein. Das ist das wichtigste. Das LDL-Cholesterin muss unter 80 mg/dl gesenkt werden, in den USA gilt sogar ein Zielwert von 70 mg/dl. Deshalb wurde in früheren Studien auch keine Rückbildung der Plaques gesehen. Die LDL-Senkung war einfach nicht deutlich genug. Das liegt zum Teil auch daran, dass man mit den älteren Statinen die heutigen Zielwerte in den meisten Fällen gar nicht erreichen kann. Die Rückbildung der Plaques wird sich langfristig in einer Reduktion klinischer Ereignisse niederschlagen. Regression bedeutet weniger Herzinfarkte und Schlaganfälle. Die Therapie mit hochdosierten Statinen ist jedenfalls machbar, zumal die Nebenwirkungsrate in SATURN erfreulich gering war. Bei keinem einzigen der rund 1000 Patienten trat eine Rhabdomyolyse, die gefürchtetste Komplikation der Statin-Therapie, auf.

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Prof. Dr. Raimund Erbel
Universitätsklinikum Essen
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Herzmuskel-Entzündung: MRT zeigt das Sterberisiko

Vom 11. – 14. April 2012 findet in Mannheim die 78. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) statt

Eine Entzündung des Herzmuskels (Myokarditis) kann rasch und problemlos ausheilen – oder tödlich enden. Derzeit ist die Abschätzung des individuellen Risikos anhand klinischer Parameter alles andere als sicher. Deutsche Forscher haben nun gezeigt, dass spezielle Veränderungen im MRT („späte Gadolinium-Anreicherung“) mit einem massiv erhöhten Sterbe-Risiko einhergehen. Damit kann bei Risiko-Patienten die Behandlung optimiert werden, andere brauchen sich keine Sorgen zu machen.

Mannheim, Donnerstag, 12. April 2012 – Spezielle Veränderungen in der Magnetresonanz-Tomografie dürften bei Patienten mit Herzmuskel-Entzündung („Myokarditis“) mit einem massiv erhöhten Sterbe-Risiko einhergehen. „Die ‚späte Gadolinium-Anreicherung‘ zeigt an, dass sich im Herzmuskel in Folge der Entzündung eine Narbe gebildet hat. Diese Narbe hat sich als wichtigster Hinweis („Prädiktor“) auf eine ungünstige Prognose erwiesen“, so Priv.-Doz. Dr. Heiko Mahrholdt (Abteilung für Kardiologie am Robert Bosch-Krankenhaus in Stuttgart). Innerhalb von fünf Jahren starben fast 20 Prozent der Personen, bei denen die späte Anreicherung mit dem Kontrastmittel Gadolinium eine Narbenbildung angezeigt hatte.

„Herzmuskel-Entzündungen sind gefährlich, und noch können wir nicht sicher vorhersagen, wer eine ungünstige Prognose haben wird“, so Doz. Mahrholdt. „In unserem Untersuchungs-Kollektiv ist allerdings niemand verstorben, der keine späte Gadolinium-Anreicherung gezeigt hat. Man kann also sagen, dass Myokarditis-Patienten mit unauffälliger MRT voraussichtlich eine günstige Prognose haben werden.“ Dass ist vor allem bei einem ungesicherten klinischen Verdacht auf Myokarditis bedeutsam, wenn das weitere Vorgehen unklar ist. Doz. Mahrholdt: „Wenn diese Patienten eine normale MRT haben, braucht man sich keine großen Sorgen zu machen. Das ist sowohl für den Patienten als auch für den Arzt eine Erleichterung.“

Diese Ergebnisse wurden heute auf der 78. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) präsentiert. Von Mittwoch bis Samstag (11. bis 14. April 2012) diskutieren in Mannheim rund 7.500 Teilnehmer aus etwa 25 Ländern aktuelle Entwicklungen aus allen Bereichen der Kardiologie.

Mögliche Bedeutung für die Behandlung

In Zukunft sollen diese Ergebnisse nun in einer großen, multizentrischen Studie überprüft werden. Dann könnten sich auch therapeutische Implikationen ergeben. So wäre es denkbar, anhand der späten Gadolinium-Anreicherung die Indikation zu einer Langzeittherapie mit Beta-Blockern zu stellen. Eine Myokarditis kann von einer Vielzahl infektiöser Erreger ausgelöst werden. In Europa handelt es sich dabei in der großen Mehrzahl um Viren.

Bessere Aussagekraft als die linksventrikuläre Auswurffraktion

Im Rahmen ihrer Studie verfolgten Doz. Mahrholdt und sein Team mehr als 200 Patienten, bei denen die Diagnose einer Myokarditis mittels Gewebeprobe („Biopsie“) bestätigt worden war. Bei Einschluss in die Studie wurde zusätzlich eine MRT-Untersuchung durchgeführt. Damit unterscheidet sich die Population deutlich von jenen älterer Studien, bei denen entweder keine Biopsien vorlagen – die Diagnose also nicht gesichert war – oder die MRT zu einem späteren Zeitpunkt durchgeführt wurde. Mit einem durchschnittlichen follow up von 4,7 Jahren lag die Gesamtmortalität bei 19,2 Prozent die kardiale Mortalität bei 15% und die Rate an plötzlichen Herz-Todesfällen bei 9,9 Prozent. Immerhin 108 der 203 Patienten zeigten späte Kontrastmittel-Anreicherung. Das Vorhandensein einer späten Gadolinium-Anreicherung erhöhte das Sterberisiko um einen Faktor 8,4 und die kardiale Mortalität um mehr als das Zehnfache – und das unabhängig von der Pumpleistung des Herzens und der klinischen Symptomatik. „In älteren Studien wurde oft die linksventrikuläre Auswurffraktion als bester Prädiktor für das Outcome eingestuft. In unserer Arbeit erwies sich jedoch die späte Gadolinium-Anreicherung als wesentlich aussagekräftiger“, kommentiert Doz. Mahrholdt.

(1) Grün S, Schumm J, Greulich S et al. Long-term follow-up of biopsy-proven myocarditis. Predictors of mortality and incomplete recovery. J Am Coll Cardiol 2012; DOI:10.1016/j.jacc.2012.01.007

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Prof. Dr. Michael Böhm (Pressesprecher, Homburg/Saar)

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Deutsche Herz-Mediziner und Radiologen wollen Einsatz von CT und MRT optimieren

Vom 11. – 14. April 2012 findet in Mannheim die 78. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) statt

Mannheim, Donnerstag, 12. April 2012 – Deutsche Herz-Mediziner und Radiologen wollen mit ihren neuen „Konsensusempfehlungen zum Einsatz der Herzbildgebung mit Computertomografie und Magnetresonanztomografie“ die Anwendung der CT und der MRT  zur Darstellung des Herzens optimieren. Wegen der technischen Entwicklungen, der komplexen Anatomie und vor allem wegen der ständigen und schnellen Bewegung des Herzens sind MRT und CT des Herzens technisch besonders anspruchsvoll. „Für Nicht-Spezialisten ist es deshalb schwierig zu entscheiden, für welche klinischen Fragestellungen die CT oder die MRT ein geeignetes Untersuchungsverfahren darstellen“, so Prof. Dr. Stephan Achenbach (Universitätsklinikum Gießen und Marburg), Prof. Dr. Holger Thiele (Universität Leipzig – Herzzentrum) und Prof. Dr. Roman Fischbach (Asklepios Klinik Hamburg-Altona) bei einer Pressekonferenz auf der 78. Jahrestagung der DGK. 

Die neuen Konsensusempfehlungen  geben Ärzten erstmals eine umfassende und detaillierte Auskunft darüber, für welche Patienten und in welchen Situationen die CT und die MRT des Herzens nutzbringend eingesetzt werden können. Das Papier fasst die Anwendungsgebiete der beiden bildgebenden Verfahren zusammen und bewertet jeweils, ob die CT und die MRT zur Beantwortung einer speziellen Frage geeignet sind, ob sie ein Verfahren der ersten Wahl darstellen oder nur eingesetzt werden sollten, wenn andere bildgebende Verfahren zu keiner eindeutigen Diagnose führen – oder ob sie für diese spezielle Fragestellung keinen sinnvollen Beitrag liefern können. Knapp 400 Verweise auf Studien verdeutlichen den wissenschaftlichen Hintergrund der jeweiligen Aussage.

Die CT erlaubt eine besonders hoch aufgelöste Darstellung des Herzens. Von wesentlicher Bedeutung ist, dass sie als einziges nichtinvasives Verfahren die Darstellung der Herzkranzgefäße in ausreichender Qualität gestattet. Dies kann bei ausgewählten Patienten von diagnostischem Nutzen sein und korrekt angewendet hilft die CT, invasive Herzkatheteruntersuchungen zu vermeiden. Weitere spezielle Vorteile sind die besonders exakte Analyse von Verkalkungen und metallischen Implantaten im Herzen. Nachteil der CT ist die Exposition gegenüber Röntgenstrahlen, und für viele Anwendungen muss intravenöses Kontrastmittel verabreicht werden.

Die MRT erlaubt die exakte Analyse der Morphologie und Funktion des Herzens und nach pharmakologischer Belastung auch der Durchblutung des Herzmuskels. Auch der Blutfluss im Herzen kann sehr zuverlässig quantifiziert werden und nach Kontrastmittelgabe lassen sich durch das sogenannte „Late Enhancement“ Infarktareale und andere Veränderungen der Herzmuskulatur genau darstellen. Funktionelle und morphologische Ergebnisse erlauben prognostische Voraussagen, die zu einer Verminderung von Wiederholungs- und invasiven Untersuchungen beitragen.

Quelle. „RöFo“ 4/2012 und „Der Kardiologe“ 2/2012

 

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Experten warnen: Herz-Risikofaktoren oft zu wenig bekannt und unzureichend behandelt

Vom 11. – 14. April 2012 findet in Mannheim die 78. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) statt

Mannheim, Donnerstag, 12. April 2012 – Wichtige Risikofaktoren für Herz-Kreislauferkrankungen wie Bluthochdruck oder ungünstige Blutfettwerte sind in der Bevölkerung weit verbreitet, aber den Betroffenen nicht bewusst – bei Männern ist das häufiger der Fall als bei Frauen. Sind sie bekannt, werden sie trotzdem häufig nicht optimal behandelt. Das sind Eckdaten einer Studie von Forschern aus Mainz und Hamburg, die jetzt auf der 78. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung (DGK) präsentiert wurde. Von Mittwoch bis Samstag (11. bis 14. April 2012) diskutieren in Mannheim mehr als 7500 Teilnehmer aus rund 25 Ländern aktuelle Entwicklungen aus allen Bereichen der Kardiologie.

Im Rahmen der Mainzer „Gutenberg-Gesundheitsstudie“ wurden insgesamt rund 10.000 Menschen zwischen 35 und 74 Jahren untersucht, je zur Hälfte Männer und Frauen. Insgesamt sammeln Männer mehr Risikofaktoren an. Am weitesten verbreitet ist in der untersuchten Altersgruppe der Risikofaktor Bluthochdruck mit 46 Prozent (50,2 Prozent bei Männern und 41,9 Prozent bei Frauen), gefolgt von ungünstigen Blutfettwerten (Dyslipidämie) mit 27,7 Prozent (35,6 Prozent der Männer und 19,9 Prozent der Frauen) und Adipositas mit 24,1 Prozent (Männer: 25,3 Prozent; Frauen: 22,9 Prozent). 20,8 Prozent der Untersuchten rauchen (Männer: 22,7 Prozent, Frauen: 19 Prozent), 16,6 Prozent (Männer: 15,6 Prozent; Frauen: 17,6 Prozent) sind wegen einer familiären Vorgeschichte von Herzinfarkt gefährdet und 6,1 Prozent (Männer: 7,7 Prozent; Frauen: 4,5 Prozent) leiden an Diabetes.

Dieser weiten Verbreitung von Herz-Risikofaktoren steht eine unzureichende Behandlung gegenüber, stellte die Untersuchung fest. Ein Viertel der Hypertoniker wussten nicht über ihre riskanten Blutdruckwerte Bescheid, bei 51,3 Prozent der Bluthochdruck-Betroffenen wurde dieser Risikofaktor nicht behandelt. Ihre Dyslipidämie war einem noch höheren Anteil, nämlich 34,9 Prozent der Betroffenen nicht bekannt, nur 7,2 Prozent der untersuchten Personen mit ungünstigen Blutfettwerten wurden dagegen behandelt.

„Die aktuellen Daten zeigen einen erstaunlich hohen Anteil von Menschen, die sich ihres Herz-Kreislauf-Risikos nicht ausreichend bewusst sind“, so Dr. Jürgen Prochaska von der Medizinischen Klinik und Poliklinik und Centrum für Thrombose und Hämostase der Universitätsmedizin Mainz. „Wenn sie bekannt sind, werden die Risikofaktoren oft nicht oder unzureichend behandelt. Das bedeutet aber auch: Es gibt ein großes Potenzial, die Herz-Kreislauf-Krankheitslast zu verringern, indem wir die Diagnose und Therapie der klassischen Risikofaktoren verbessern.“

Quelle: J. Prochaska et al, Abstract P1682, Clin Res Cardiol 101, 2012

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Pressemitteilung DGK

Konsensusempfehlungen von DRG/DGK/DGPK zum Einsatz der Herzbildgebung mit Computertomografie und Magnetresonanztomografie

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Immer mehr Herzkranke – Deutsche Kardiologie macht sich Sorgen um Nachwuchs

Vom 11. – 14. April 2012 findet in Mannheim die 78. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) statt

Die Nachwuchssituation in der deutschen Herz-Medizin ist angespannt, warnt DGK-Präsident Prof. Dr. Georg Ertl, Peripherie-Krankenhäuser klagen bereits über Mangel. Wissenschaftliche Nachwuchsförderung als Basis für qualitätsvolle Versorgung zählt zu den zentralen Aufgaben der DGK. Nicht nur mit Stipendien und Preisen versucht man jungen Kardiologen die Forschung schmackhaft zu machen, eine eigene Arbeitsgruppe widmet sich auch der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Trotz aller Erfolge der modernen Kardiologie wird der Bedarf an herzmedizinischer Versorgung weiter steigen, weil wir immer älter werden. Jedes Jahr sterben weltweit 17 Millionen Menschen an Herz-Kreislauf-Krankheiten, nahezu die Hälfte aller Todesfälle in Europa gehen darauf zurück.

Mannheim, Mittwoch, 11. April 2012 – „Sowohl für die Wissenschaft als auch die für klinische Versorgung werden hochqualifizierte junge Kardiologinnen und Kardiologen dringend benötigt, doch leider ist die Nachwuchssituation in der Kardiologie gegenwärtig angespannt“, so der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) Prof. Dr. Georg Ertl (Medizinische Klinik und Poliklinik I am Universitätsklinikum Würzburg). „Wir sehen mit einer gewissen Sorge, dass, besonders was hochqualifizierten und kompetitiven Nachwuchs angeht, nicht so viel nachkommt, wie wir uns das wünschen. Während der Engpass an den Universitätskliniken noch nicht spürbar ist, klagen Peripherie-Krankenhäuser mittlerweile über Mangel.“
Von Mittwoch bis Samstag (11. bis 14. April 2012) diskutieren in Mannheim rund 7500 Teilnehmer aus etwa 25 Ländern aktuelle Entwicklungen aus allen Bereichen der Kardiologie.

Die Forschung schmackhaft machen: Den Einstieg erleichtern, den Verbleib fördern

„Eine zentrale Aufgabe der DGK besteht darin, den wissenschaftlichen und klinischen Nachwuchs zu fördern“, so Prof. Ertl. „Um hier Auswege zu bieten, verfolgt die DGK unterschiedliche Strategien.“ Eine wichtige Rolle spielen dabei Programme, die jungen Ärztinnen und Ärzten den Einstieg in die Forschung schmackhaft machen sollen, aber auch eine Reihe von Preisen, Stipendien und Reisekostenzuschüsse, die unter anderem das Ziel verfolgen, begabte Promovierende dazu zu bewegen, auch in der Forschung zu bleiben.

 
Bedürfnisse von Kardiologinnen stärker berücksichtigen – Arbeitsgruppe sucht Wege
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Frauenförderung. Prof. Ertl: „Wir sehen heute bei den Immatrikulationen bereits mehr als 60 Prozent Studentinnen. Da muss man sich natürlich die Frage stellen, wie eine Frau Kinderwunsch mit einer wissenschaftlichen oder kardiologisch-klinischen Karriere vereinbaren kann. Das ist bei den heutigen Strukturen sehr schwierig, nicht zuletzt auch für die niedergelassenen Kardiologinnen. Wir haben daher in der DGK eine Projektgruppe gegründet, die sich damit beschäftigt, wie die jungen Leute in Zukunft arbeiten wollen.“ In Deutschland sei es zum Beispiel nach wie vor schwierig, zu einer flexiblen Kinderbetreuung zu kommen.

Steigender Bedarf in der Versorgung trotz großer bisheriger Kardiologie-Erfolge

Vorbeugende Maßnahmen, die künftige Versorgungslücken in der deutschen Herz-Medizin verhindern sollen, sind umso wichtiger, als der Bedarf auf diesem Gebiet ständig steigt – trotz aller bisherigen Erfolge der Kardiologie. Prof. Ertl: „Zum Beispiel erhöhte sich in Deutschland zwischen 1980 und 2002 die Lebenserwartung bei Männern um 5,75 Jahre. Den wichtigsten Beitrag dazu leistete die sinkende Sterblichkeit bei Krankheiten des Kreislaufsystems: Sie ist für 2,62 Jahre der gewonnen Lebenserwartung verantwortlich.“ Ein weiteres Beispiel: Die Sterblichkeit bei Herzinfarkten ist in Deutschland von 2000 bis 2010 von 203,8 auf 162,8 pro 100.000 Einwohner gesunken.

„Solche Entwicklungen sind natürlich sehr erfreulich, sie dürfen aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es aus kardiologischer Sicht noch sehr viel zu tun gibt“, so Prof. Ertl. Jedes Jahr sterben weltweit 17 Millionen Menschen an Herz-Kreislauf-Krankheiten, nahezu die Hälfte aller Todesfälle in Europa gehen darauf zurück. Die Koronare Herzkrankheit (KHK) ist in Europa weiterhin führende Todesursache bei Männern über 45 Jahren und bei Frauen über 65 Jahren. Die neusten Zahlen des Statistischen Bundesamtes von 2011 bestätigen die unverändert hohe Häufigkeit an kardiovaskulären Todesfällen in Deutschland von rund 40 Prozent aller Todesfälle.

Ein Problem dabei. Wir werden immer älter, und dadurch steigt der Anteil von Herzkrankheiten betroffener Patienten. Prof. Ertl: „Eine spezielle Herausforderung ist die hier Herzinsuffizienz (HI, Herzschwäche), die einzige schwere Herzerkrankung, deren Häufigkeit kontinuierlich steigt. Als wichtigste Ursache gilt die Koronare Herzkrankheit. Überspitzt gesagt: Dank der Fortschritte der modernen Kardiologie überleben wir den Herzinfarkt, und entwickeln in der Folge eine Herzinsuffizienz.“

Herz-Kreislauf-Krankheiten bedeuten auch eine enorme Kostenbelastung. Eine aktuelle Studie des World Economic Forum und der Harvard University geht davon aus, dass in den nächsten 20 Jahren nicht übertragbare Krankheiten die Weltwirtschaft mehr als 30 Billionen US-Dollar kosten werden. Etwa 50 Prozent der Todesfälle aufgrund von nichtübertragbaren Krankheiten werden durch Herz-Kreislauf-Krankheiten verursacht.

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Herzschwäche: Wer zusätzlich entwässernde Medikamente braucht, hat schlechtere Aussichten

Vom 11. – 14. April 2012 findet in Mannheim die 78. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) statt

Mannheim, Mittwoch, 11. April 2012 – Wenn Herzschwäche-Patienten zusätzlich zu anderen Therapien eine Behandlung mit entwässernden Medikamenten (Diuretika), eine höhere Diuretika-Dosis oder eine andere Substanz aus dieser Gruppe brauchen, dann ist das ein Anzeichen für eine Verschlechterung der Krankheit – und somit ein Indikator für einen ungünstigen Krankheitsverlauf. Das zeigt die Auswertung von Patientendaten aus 17 Kliniken in Deutschland, Österreich und der Schweiz, die auf der 78. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung (DGK) präsentiert wurde. Von Mittwoch bis Samstag (11. bis 14. April 2012) diskutieren in Mannheim mehr als 7500 Teilnehmer aus rund 25 Ländern aktuelle Entwicklungen aus allen Bereichen der Kardiologie.

„Anders als bei anderen Herzinsuffizienz-Medikamenten wie Betablockern ist eine Dosissteigerung oder der Neubeginn einer Therapie mit Diuretika im klinischen Alltag nicht mit einer Prognoseverbesserung verbunden“, so Dr. Harm Wienbergen von der Klinik für Kardiologie und Angiologie des Klinikums Links der Weser, Bremen. „Eine Änderung der Diuretika-Dosierung und insbesondere ein Substanzwechsel zeigt vielmehr eine klinische Situation der Herzinsuffizienz an, die mit einer schlechteren Prognose assoziiert ist.“

In der EVITA-HF-Studie („Evidence Based Treatment – Heart Failure“) wurden die Daten von insgesamt knapp 1000 Herzschwäche-Patienten, die in einer der teilnehmenden Kliniken aufgenommen wurden, ausgewertet. Der Großteil von ihnen – 83 Prozent – wurden mit einem Diuretikum behandelt, bei etwas weniger als der Hälfte der Patienten wurde im Lauf des stationären Aufenthalts die Dosis oder Substanz des Diuretikums geändert. Nach einem Jahr schnitten hinsichtlich der Sterblichkeit oder des Auftretens von Herzinfarkten oder Schlaganfällen die Patienten am günstigsten ab, bei denen keine Änderung der Therapie nötig war. Die schlechteste Prognose mit der höchsten Sterblichkeit hatten jene Patienten, die eine neue Substanz benötigten.

Quelle: H. Wienbergen et al, Abstract P700, Clin Res Cardiol 101, 2012

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Viel Geld für die kardiologische Forschung

Pressetext als PDF Statement von Prof. Dr. Thomas Eschenhagen / Hamburg

Über das Deutsche Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) werden Bund und Länder in den kommenden Jahren erhebliche Geldmittel in die kardiologische Forschung investieren. Ziel des Projekts ist es einerseits, neue Strategien aus der Grundlagenforschung in die Klinik zu bringen, andererseits aber auch, große klinische Studien durchzuführen. Von besonderem Interesse sind dabei Fragestellungen, um die sich die Industrie nicht bemüht.

Die deutsche Bundesregierung gibt viel Geld für die Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung (DZG) aus. Mit einem Volumen von insgesamt 250 Millionen im Jahr soll die Bekämpfung von Volkskrankheiten durch Förderung verschiedener Schwerpunktthemen vorangetrieben werden. Eines davon ist das Thema Herz-Kreislauf.

Rund 30 Konsortien haben sich für die Mitarbeit am DZHK beworben. Davon wurden sieben Standorte mit 25 Partnern in universitären und außeruniversitären Einrichtungen ausgewählt. Die Standorte sind: Berlin/Potsdam, Frankfurt am Main/Mainz/Bad Nauheim, Göttingen, Greifswald, Hamburg/Kiel/Lübeck, Heidelberg/Mannheim und München. Die Geschäftsstelle hat ihren Sitz in Berlin. Finanziert werden die neuen Zentren zu 90 Prozent vom Bund und zu zehn Prozent von den Ländern. Der Aufbau des DZHK soll bis 2015 abgeschlossen sein. Das Zentrum wird dann von Bund und Ländern rund 40 Millionen Euro pro Jahr erhalten.

Deutschland war bislang nicht besonders gut, was nationale Projekte angeht. Wir haben exzellente Forschung, aber es war tendenziell alles etwas kleinteilig. Das DZHK soll nun einen bundesweiten Verbund bilden, mit dem man beispielsweise große klinische Studien leichter realisieren kann. Durch koordinierte Förderung wollen wir eine nationale Studienlandschaft aufbauen. Ein wesentliches Ziel des DZHK läuft unter dem Schlagwort Translation. Das bedeutet, dass Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung schneller in die klinische Forschung und wenn möglich in die klinische Praxis gebracht werden sollen.

Um dieses Ziel zu erreichen, hat das DZHK Forschungsschwerpunkte definiert. Diese sind Gefäßerkrankungen, angeborene und erworbene Herzmuskelerkrankungen, Herzinsuffizienz, Herz-Rhythmusstörungen, Prävention und Imaging. In diesen Programmgruppen wollen die verschiedenen Standorte ihre Projekte vorantreiben. Dazu gehört die Stammzellforschung ebenso wie die Erforschung von Micro RNAs (miRNA), relativ kleiner Moleküle, die eine wichtige Rolle in der Genregulation spielen. MicroRNAs regulieren die Genexpression hochspezifisch und könnten daher in der Zukunft therapeutisch eingesetzt werden.

Neben diesen Programmen werden im Rahmen des DZHK auch so genannte kooperative Initiativen stattfinden. Darunter sind vor allem Klinische Studien und Kohorten zu verstehen. Derzeit ist der Stand so, dass man sich zum Beispiel bei der EU um ein Projekt bewirbt. Das läuft fünf Jahre und dann ist es vorbei – unabhängig davon, wie die Erfolge waren. Das soll im DZHK anders laufen. Im Rahmen der kooperativen Initiativen, für die rund 35 Prozent der Gesamtmittel ausgegeben werden sollen, wird einerseits eine bessere Kontrolle darüber stattfinden, ob das eingesetzte Geld auch zu Ergebnissen führt, andererseits wird aber auch die Möglichkeit geschaffen, erfolgreiche Forschungsprojekte über fünf Jahre hinaus zu finanzieren. Es wird zunehmend auch von der Politik verstanden, dass Forschung einen langen Atem braucht. Die Qualitätskontrolle erfolgt über die Finanzierung. Die jeweiligen Standorte müssen in Vorleistung gehen und erhalten das Geld, wenn sie eine anständige Leistung abliefern. Das bedeutet, Studien entwerfen und mit zumindest drei Partnern auch tatsächlich durchführen.

Derzeit ist man im DZHK mit dem Aufbau der Strukturen beschäftigt und trifft die Auswahl, welche nationalen Studien gefördert werden sollen. Dies wird nicht nach dem Gießkannenprinzip funktionieren. Vielmehr soll das Geld in wenige, sorgfältig ausgewählte Projekte fließen. Ein wesentliches Element dieser Arbeit liegt in regelmäßigen Treffen. Auch das ist eine Innovation. In Zukunft wird sich ein wesentlicher Teil der führenden kardiologischen Forscher Deutschlands alle vier Wochen treffen. Da rechne ich auch mit einem informellen Effekt, der das Zusammenwachsen der Gruppe fördern wird.

Abseits der klinischen Studien ist geplant, sich im Bereich der Labor- und Grundlagenforschung früh an der Entwicklung neuer therapeutischer Strategien zu beteiligen und diese Projekte, wenn möglich, bis in die Klinik zu betreuen. Die Zusammenarbeit mit der Industrie wird gewünscht, soll aber nicht die vom DZHK geförderten Studien betreffen. Wir wollen mit dem DZHK-Geld die Studien fördern, die die Industrie eben nicht macht, also zum Beispiel zu Medikamenten, für dies es keinen Patentschutz mehr gibt.

Das DZHK ist eines von insgesamt sechs Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung (DZG) zur Erforschung der Volkskrankheiten. Dazu gehören neben dem DZHK das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung (DZIF), das Deutsche Zentrum für Lungenforschung (DZL), das Deutsche Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK) sowie das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) und das Deutsche Zentrum für Diabetesforschung (DZD).

Kontakt:
Prof. Dr. Thomas Eschenhagen
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Institut für Experimentelle und Klinische Pharmakologie und Toxikologie
Martinistr. 52
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Tel.: 040 7410-52180
Fax: 040 7410-54876
E-Mail: t.eschenhagen@uke.uni-hamburg.de

Pressemitteilung DGK

Rivaroxaban bei Patienten mit stattgehabtem akutem Koronarsyndrom

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Pressemitteilung DGK

DZHK: Arrhythmie

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