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Verbesserung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität von Patienten nach chirurgischem Aortenklappenersatz oder kathetergestützter Aortenklappenimplantation [TAVI]

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Markus Krane, München

Erworbene Erkrankungen der Aortenklappe, in der Mehrzahl der Fälle eine Aortenklappenstenose, sind die häufigsten Herzklappenvitien insbesondere bei älteren Patienten. Der derzeitige Goldstandard zur Therapie der erworbenen Aortenklappenstenose ist der konventionell chirurgische Aortenklappenersatz, zumeist mit minimal-invasivem Zugangsweg. Dieser führt zu einer signifikanten Verlängerung des Langzeitüberlebens im Vergleich zur unbehandelten Aortenklappenstenose.Ein neues Verfahren zur Therapie der symptomatischen Aortenklappenstnose stellt die kathetergestützte Aortenklappenimplantation dar.

TAVI sollte gegenwärtig nur bei bestimmten Patienten mit besonderen Voraussetzungen sowie unter geeigneten Strukturen zum Einsatz kommen. Die bislang bekannten Ergebnisse über einen Nachbeobachtungszeitraum von bis zu 3 Jahren sind für dieses relativ neue Verfahren vielversprechend. Aussagekräftige Studien zum Langzeitverlauf fehlen allerdings noch. Neben der  Sterblichkeit sowie den peri-und postoperativen Komplikationen ist die Entwicklung der Lebensqualität nach der Behandlung der symptomatischen Aortenklappenstenose von außerordentlichem Interesse. Die Ergebnisse sind sowohl für eine patientenzentrierte Beratung als auch zur Beurteilung der Effektivität von neuen Behandlungsmethoden von aller größtem Interesse.

Im Jahr 2011 konnten 13860 Patienten, die sich einem chirurgischen Aortenklappenersatz oder einer kathetergestützten Aortenklappenimplantation unterzogen haben, in das Deutsche Aortenklappenregister (GARY) eingeschlossen werden. Bei den eingeschlossenen Patienten wurde entweder ein chirurgischer Aortenklappenersatz mit (SAVR + CABG ; n=3462) bzw. ohne (SAVR ;  n=6523) koronarer Bypassoperation oder eine transvaskuläre (TAVI-TV ; n=2694) bzw. transapikale (TAVI-TA ; n=1181) Aortenklappenimplantation durchgeführt. Die gesundheitsbezogene Lebensqualität der Patienten wurde mittels des EuroQOL Five Dimension (EQ-5D-3L) Fragebogens sowohl vor als auch 12 Monate nach dem Eingriff erhoben. Dieser Test berücksichtigt die Dimensionen Mobilität, Selbstversorgung, allgemeine Aktivität, Schmerzen sowie Angst/Niedergeschlagenheit. Jede Dimension wird hierbei zudem in drei Klassen unterteilt, wobei die Klasse 1 keine Beschwerden und die Klasse 2 und 3 milde bzw. schwere Beschwerden widerspiegeln. Zusätzlich beinhaltet der verwendete Test eine visuelle Skala von 0-100% für eine Selbsteinschätzung des allgemeinen Gesundheitsstatus. Das ein Jahres Follow-up für die gesundheitsbezogene Lebensqualität konnte in 10626 (75,2%) Fällen vollständig erhoben werden.

Die ein Jahres Sterblichkeit der betrachteten Studienpopulation lag bei 12,5%  (SAVR: 6,7% ; SAVR + CABG: 9,5% ;  TAVI-TV: 21,0% ; TAVI-TA: 27,8%). Für die visuelle Skala zur Selbsteinschätzung des allgemeinen Gesundheitsstatus lag der präoperative Wert bei 61,0% ± 20,5%. Dieser Wert stieg auf 66,4% ± 20,2% ein Jahr nach der Behandlung der symptomatischen Aortenklappenstenose an. Für die Studienpopulation konnte ein Anstieg der gesundheitsbezogenen Lebens- qualität anhand einer Zunahme der Patienten innerhalb der Klasse 1 (keine Beschwerden) der einzelnen Dimensionen des EQ-5D-3L zwischen dem präoperativen Wert und ein Jahr nach dem Eingriff festgestellt werden. Im Einzelnen nahm der Anteil an Patienten in der Klasse 1 für die Mobilität um 7,9% (baseline: 57,2%, one-year FU: 65,1%), für die Selbstversorgung um 0,9% (baseline: 85,2%, one-year FU: 86,1%), für die allgemeine Aktivität um 14,7% (baseline: 60,0%, one-year FU: 74,7%), für die Schmerzen um 0,9% (baseline: 46,4%, one-yearFU: 47,3%) und für die Dimension Angst/Niedergeschlagenheit um 1,3% (baseline: 70,0%, one-year FU: 71,3%) zu. Die relativen Zunahmen innerhalb der einzelnen Dimensionen trafen ebenfalls für alle Untergruppen mit Ausnahme der Dimension „Selbstversorgung“ innerhalb der Gruppe der konventionell operierten Patienten mit zusätzlicher koronarer Revaskularisation und den Patienten, welche sich einer transapikalen Aortenklappenimplantation unterzogen haben, zu. Zudem fand sich kein Unterschied für die Dimension „Angst/Niedergeschlagenheit“ in der Gruppe der Patienten mit transapikaler Aortenklappenimplantation.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Behandlung der symptomatischen Aortenklappenstenose, sowohl mittels konventionellem Aortenklappenersatz als auch durch eine kathetergestützte Aortenklappenimplantation, zu einer deutlichen Steigerung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität führt. Die eindrucksvollsten Verbesserungen der gesundheitsbezogenen Lebensqualität ergaben sich für die Dimensionen Mobilität und allgemeine Aktivität.

 

Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz und Kreislaufforschung e. V. (DGK) mit Sitz in Düsseldorf ist eine gemeinnützige wissenschaftlich medizinische Fachgesellschaft mit mehr als 8700 Mitgliedern. Sie ist die älteste und größte kardiologische Gesellschaft in Europa. Ihr Ziel ist die Förderung der Wissenschaft auf dem Gebiet der kardiovaskulären Erkrankungen, die Ausrichtung von Tagungen die Aus-,Weiter-und Fortbildung ihrer Mitglieder und die Erstellung von Leitlinien. Weitere Informationen unter www.dgk.org