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Körperfett-Verteilung und erhöhter Blutdruck bei 22.051 Heranwachsenden: Die PEP Family Heart Study

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Prof. Dr. Peter Schwandt, München

Erhöhter Blutdruck1, allgemeine Adipositas2 und abdominale Adipositas3 sind anerkannte Risikofaktoren für kardiovaskuläre Erkrankungen. Weltweit nehmen in den meisten einkommensstärkeren Ländern Hypertonie und Übergewicht4 bei Kindern und Jugendlichen weiterhin zu.

Nachdem den Fett-Depots eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen zugeschrieben wird, haben wir bei über 22 000 Heran-wachsenden im Alter von 3-18 Jahren die Zusammenhänge zwischen erhöhtem Blutdruck und der Körperfett-Verteilung untersucht. Dabei haben wir preiswerte, risikofreie und einfach überall durchführbare Mess-Methoden angewandt, die allerdings eine exakte Durchführung erfordern unter Berücksichtigung alters- und geschlechtsspezifischer Percentilen.

Wir fanden die stärksten Assoziationen zwischen Hypertonie und genereller Adipositas mit einer odds ratio (OR) von 5,9 bei Mädchen und von 4,3 bei Buben, dicht gefolgt von erhöhter Hautfaltendicke5 mit ORs von 5,8 bzw. 4,6. Für das prozentuale Körperfett6 ergab sich ein um das 5,6 fache erhöhtes Hypertonie-Risiko für Mädchen, während die Buben ein 3,4 fach höheres Hypertonie-Risiko hatten als Buben ohne erhöhtes prozentuales Körperfett. Etwas geringer waren die signifikanten Assoziationen bei Mädchen und Buben mit OR 3,9 bzw. OR 3,8 für WHtR >0,5, mit OR 3,5 bzw. OR 3,1 für einen erhöhten Taillenumfang7 und mit OR 2,7 bzw. OR 2,1 für Übergewicht. Im Vergleich zu nicht-übergewichtigen8 Kindern und Jugendlichen war das Risiko für Prähypertonie bei übergewichtigen bzw. adipösen Buben um das 1,6 fache bzw. 2,4 fache und bei Mädchen entsprechend um das 1,8 fache bzw. das 3,3 fache erhöht (Tabelle 1).

 

Hypertonie Prähypertonie
  Odds Ratio CI95% Odds Ratio CI95% Odds Ratio CI95% Odds Ratio CI95%
  Males   Females   Males   Females  
adipös 4,3 3,5-5,2 6,2 5,1-7,5 1,8 1,5-2,2 2,1 1,8-2,6
übergewichtig 1,9 1,6-2,3 2,4 2,0-2,9 1,5 1,3-1,8 1,6 1,4-1,9
Taille>90th perzentile  n.s.                1   1,5 1,2-1,7 1,6 1,4-1,9
Taille/Hüfte >0,5 3,4 2,9-4,0 3,4 2,9-4,1 1,5 1,3-1,7 1,6 1,4-1,9
Hautfaltendicke≥35mm* 3,4 2,8-4,0 4 3,0-4,7 1,6 1,4-1,9 1,6 1,6-2,0
%Körperfett>85th-95th perz. 3,1 2,6-3,6 4,7 4,0-5,5 1,7 1,5-1,9 1,9 1,7-2,2
%Körperfett>95th perzentile 1,7 1,3-2,1 1,9 1,5-2,4 1,4 1,2-1,6 1,2 1,0-1,4

Tabelle 1: Summe von Bizeps, Trizeps + Subscapuläre Hautfalte

 

Die Prävalenz-Unterschiede von Übergewicht/Adipositas und Prähyper-tonie/Hypertonie waren minimal sowohl zwischen Kindern und Jugendlichen als auch zwischen Buben und Mädchen. Dagegen nahm die Prävalenz von ungünstiger Fettverteilung wie erhöhtem Taillen- und Hüftumfang, vermehrtem Unterhaut-Fettgewebe, Übergewicht und Adipositas mit dem Alter zu.

Während bei nicht-übergewichtigen männlichen Heranwachsenden die Prävalenz von Prähypertonie/Hypertonie 13,2%/5,7% betrug, machte sie bei Übergewichtigen 18,3%/10,4% aus und stieg bei Adipösen auf 21,9%/18,6% an. Die entsprechenden Prävalenzen betrugen bei den Mädchen 12,9%/5,0%, 18,7%/9,1% und 24,9%/24,4% (Abbildung 1).

Ein mit zunehmendem Körpergewicht einhergehender Anstieg der Prävalenz von erhöhtem Blutdruck kann vermieden werden, wenn bereits im Kindes- und Jugendalter Übergewicht und Adipositas durch mehr Bewegung und weniger Kalorienzufuhr verhindert werden können. Damit kann auch Adipositas und Hypertonie im Erwachsenenalter wirksam vorgebeugt werden. Aktuell heißt das, dass ein gesundes Körpergewicht und eine normale Gewichts-Verteilung eine wirksame und unbedenkliche Behandlungsmethode bei erhöhtem Blutdruck darstellen.

Diese Untersuchung ist Teil der PEP Family Heart Study, die von 1994-2008 als prospektive community-based observational study in Nürnberg durchgeführt wurde mit Unterstützung der Stadt Nürnberg, der Bayerischen Staatsregierung, der Ludwig-Maximilians-Universität München, der Stiftung zur Prävention der Arteriosklerose und des Vereins zur Förderung des Präventions- Erziehung- Programms Nürnberg.

Ziel der PEP Family Heart Study ist zum einen, bei den 3.268 teilnehmenden Familien,  traditionelle Risikofaktoren für kardiovaskuläre Erkrankungen bei den 24.927 Eltern und ihren 23.740 Kindern zu erfassen und im Verlauf zu kontrollieren. Zum anderen soll untersucht werden, ob nachhaltig ein gesunder Lebensstil unter Alltagsbedingungen implementiert werden kann und drittens, ob sich das Risikoprofil der einzelnen Familienmitglieder  langfristig verbessern lässt.

 Referenzen:

1 Prähypertonie (90.-95. Perc.) und Hypertonie (≥95. Perc.), 2 body mass index (≥95. Perc. BMI), 3 erhöhter Taillenumfang (WC ≥90. Perc.) + erhöhter Taillen- zu Hüftumfang (WHR≥90.

Perc.) + Taillenumfang/Körpergrösse (WHtR > 0.5), 4 85.-<95. Perc. BMI, 5 Summe aus den drei Hautfalten Bizeps, Triceps und subscapulär >35 mm, %BF, errechnet nach den Slater-Formeln aus der Hautfaltendicke. 7WC >90. Perc., 8 nicht-übergewichtig (BMI<85. Perc.).

 

Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz und Kreislaufforschung e.V. (DGK) mit Sitz in Düsseldorf ist eine gemeinnützige wissenschaftlich medizinische Fachgesellschaft mit mehr als 8700 Mitgliedern. Sie ist die älteste und größte kardiologische Gesellschaft in Europa. Ihr Ziel ist die Förderung der Wissenschaft auf dem Gebiet der kardiovaskulären Erkrankungen, die Ausrichtung von Tagungen die Aus-, Weiter- und Fortbildung ihrer Mitglieder und die Erstellung von Leitlinien. Weitere Informationen unter www.dgk.org