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Prävalenz und prognostischer Stellenwert von Anämie und Eisenmangel bei Patienten mit akut dekompensierter systolischer Herzinsuffizienz

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Dr. med. Fabian Hammer, Würzburg

Anämie und Eisenmangel sind häufige Komorbiditäten bei Patienten mit chronischer systolischer Herzinsuffizienz und sind assoziiert mit einem erhöhten Mortalitätsrisiko. Bei Patienten mit akut dekompensierter Herzinsuffizienz hingegen sind die klinische Relevanz und der differentielle prognostische Stellenwert von Anämie und Eisenmangel bislang unbekannt.

Zur Beantwortung dieser Frage wurden Patienten mit systolischer Herzinsuffizienz untersucht, die wegen einer akuten kardialen Dekompensation hospitalisiert werden mussten. Alle Patienten wiesen zum Zeitpunkt der Entlassung aus dem Krankenhaus eine linksventrikuläre Ejektionsfraktion ≤40% auf und nahmen an der erweiterten interdisziplinären Netzwerk Herzinsuffizienz (E-INH) Studie teil. Eine Anämie (A) wurde nach den WHO Kriterien als ein Hämoglobinwert <12 g/dl bei Frauen bzw. <13 g/dl bei Männern definiert. Ein Eisenmangel (ID) war definiert als ein Serum-Ferritin Wert <100ng/ml oder als ein Serum-Ferritin Wert zwischen 100 und 300ng/ml bei gleichzeitiger Transferrin-Sättigung <20%. Von 1032 konsekutiv eingeschlossenen Patienten, lagen vollständige Datensätze für Hämoglobin, Eisenstatus (Eisen, Transferrin, Ferritin) und den Überlebensstatus nach 180 Tage bei 952 Patienten vor. Das mediane Lebensalter dieser Patienten betrug 70 Jahre (Interquartilsabstand: 61-77), 28% der Patienten waren weiblichen Geschlechts und 56% befanden sich in den New York Heart Association (NYHA) Klassen I/II bzw. 44% in den Klassen III/IV. Bei 368 (39%) der Patienten lag weder eine Anämie (A) noch ein Eisenmangel (ID) (A- / ID-) vor. Hingegen fand sich bei 291 (31%) keine A aber ein ID (A- / ID+), bei 135 (14%) eine A aber kein ID (A+ / ID-) und bei 158 (17%) sowohl eine A als auch ein ID (A+ / ID+). Zur Beurteilung der prognostischen Bedeutung von A und ID wurden Kaplan-Meier Überlebensanalysen für die vier Subgruppen 180 Tage nach Entlassung aus dem Krankenhaus durchgeführt. Hierbei zeigte sich für die Gruppe A- / ID- eine kumulative Überlebenswahrscheinlichkeit von 94% (95% Konfidenzintervall: 92-96%), für A- / ID+: 91% (88-95%), für A+ / ID-: 84% (78-90%) und für A+ / ID+: 83.5% (77.8-89.3%) (Log rank Test p<0.0001) (Abbildung). Dieser Unterschied blieb auch nach Adjustierung für Alter, Geschlecht und NYHA Klasse statistisch signifikant (Hazard Rate (95% Konfidenzintervall): A- / ID+: 1.36 (0.77-2.42); A+ / ID-: 2.18 (1.19-4.00); A+ / ID+: 2.18 (1.22-3.89) im Vergleich zu A- / ID-; p=0.025). Fazit

Anämie und Eisenmangel (alleine oder in Kombination) fanden sich bei mehr als 60% aller Patienten mit akut dekompensierter systolischer Herzinsuffizienz. Das Vorliegen einer Anämie war unabhängig vom Vorhandensein eines Eisenmangels mit einem erhöhten Mortalitätsrisiko assoziiert, wohingegen ein alleiniger Eisenmangel ohne Anämie nicht prognostisch bedeutsam war. Diese Beobachtungen sind konträr zu Patienten mit kompensierter systolischer Herzinsuffizienz, bei denen Anämie und Eisenmangel jeweils unabhängig voneinander mit einer schlechteren Prognose einhergehen (siehe hierzu auch Abstract 1021: „Prognostic Significance of Anaemia and Iron Deficiency in Stable Patients with Systolic Heart Failure“).

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