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Erwachsene mit angeborenen Herzfehlern (EMAH) mit einem Lebensalter von über 60 Jahren: eine wachsende Population mit erhöhter Morbidität und eingeschränkter Prognose

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Dr. Oktay Tutarel, et al., London/GB

Hintergrund
Die Zahl der Erwachsenen mit angeborenen Herzfehlern (EMAH) nimmt aufgrund der Erfolge der Herzchirurgie und der Kinderkardiologie zu. Zunehmend sind wir mit älteren Patienten und komplexeren Vitien konfrontiert. Allerdings ist nur wenig über die geriatrische EMAH-Population (Alter von über 60 Jahren) bekannt. Daher charakterisiert diese Studie die geriatrische EMAH-Population (Alter von über 60 Jahren) an einem großen tertiären EMAH und untersucht die Morbidität und prognostische Faktoren in dieser Population.

Patienten und Methoden
Alle EMAH-Patienten mit einem Lebensalter von über 60 Jahren, die sich in regelmäßiger Behandlung am EMAH-Zentrum des Royal Brompton Hospitals, London/GB befinden, wurden in diese retrospektive Untersuchung eingeschlossen. Als Kontrollgruppe diente die nichtgeriatrische EMAH-Population. Prognostische Parameter wurden mittels einer Cox Regressionsanalyse untersucht, wobei die Gesamtmortalität als Endpunkt diente.

Ergebnisse
Von insgesamt 7315 Patienten, die am EMAH-Zentrum angebunden sind, erfüllten 376 (weiblich n=191 (50,8%), mittleres Alter 64,8 ± 5,9 Jahre) die Einschlusskriterien. Dabei hatten 44% einen einfachen, 46% einen mittelschweren und 7% einen komplexen Herzfehler. Die Anzahl der EMAH über 60 Jahre stieg im Zeitraum zwischen 2000 und 2012 um das 8,7-fache. Diese Patienten hatten eine signifikant höhere Hospitalisierungsrate verglichen mit jüngeren Patienten (16,40/100 Patienten-Jahre vs. 10,97/100 Patienten-Jahre, p<0,0001) sowie eine höhere Rate an kardiovaskulären Interventionen (3,11/100 Patienten-Jahre vs. 2,24/100 Patienten-Jahre, p=0,0006). Während eines medianen Nachbeobachtungs-Zeitraums von 5,5 (IQR 3,1-8,6) Jahren starben 55 geriatrische EMAH-Patienten. Als prognostische Parameter fanden sich in einer multivariaten Cox Regressionsanalyse das Vorliegen einer koronaren Herzerkrankung (hazard ratio [HR]: 5,04; 95%CI: 1,88-13,51, p=0,0014), Zeichen einer Herzinsuffizienz (HR: 2,36; 95%CI: 1,05-5,29, p<0,05), eine höhere NYHA Klasse (HR: 1,96; 95%CI: 1,18-3,26, p<0,01) sowie die Funktion des Systemventrikels (HR: 1,90; 95%CI: 1,20-2,99, p<0,001). Schlussfolgerung Die Zahl der EMAH im Alter von über 60 Jahren nimmt zu. Mit dem Lebensalter steigen auch die Morbidität und die Inanspruchnahme des Gesundheitssystems an. Zudem gewinnen neben den Folgezuständen des angeborenen Herzfehlers auch erworbene Erkrankungen, insbesondere die koronare Herzerkrankung, eine zunehmende Bedeutung hinsichtlich der Prognose. Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz und Kreislaufforschung e.V. (DGK) mit Sitz in Düsseldorf ist eine gemeinnützige wissenschaftlich medizinische Fachgesellschaft mit mehr als 8200 Mitgliedern. Sie ist die älteste und größte kardiologische Gesellschaft in Europa. Ihr Ziel ist die Förderung der Wissenschaft auf dem Gebiet der kardiovaskulären Erkrankungen, die Ausrichtung von Tagungen die Aus-, Weiter- und Fortbildung ihrer Mitglieder und die Erstellung von Leitlinien. Weitere Informationen unter www.dgk.org