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Immer mehr Herzkranke – Deutsche Kardiologie macht sich Sorgen um Nachwuchs

Vom 11. – 14. April 2012 findet in Mannheim die 78. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) statt

Die Nachwuchssituation in der deutschen Herz-Medizin ist angespannt, warnt DGK-Präsident Prof. Dr. Georg Ertl, Peripherie-Krankenhäuser klagen bereits über Mangel. Wissenschaftliche Nachwuchsförderung als Basis für qualitätsvolle Versorgung zählt zu den zentralen Aufgaben der DGK. Nicht nur mit Stipendien und Preisen versucht man jungen Kardiologen die Forschung schmackhaft zu machen, eine eigene Arbeitsgruppe widmet sich auch der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Trotz aller Erfolge der modernen Kardiologie wird der Bedarf an herzmedizinischer Versorgung weiter steigen, weil wir immer älter werden. Jedes Jahr sterben weltweit 17 Millionen Menschen an Herz-Kreislauf-Krankheiten, nahezu die Hälfte aller Todesfälle in Europa gehen darauf zurück.

Mannheim, Mittwoch, 11. April 2012 – „Sowohl für die Wissenschaft als auch die für klinische Versorgung werden hochqualifizierte junge Kardiologinnen und Kardiologen dringend benötigt, doch leider ist die Nachwuchssituation in der Kardiologie gegenwärtig angespannt“, so der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) Prof. Dr. Georg Ertl (Medizinische Klinik und Poliklinik I am Universitätsklinikum Würzburg). „Wir sehen mit einer gewissen Sorge, dass, besonders was hochqualifizierten und kompetitiven Nachwuchs angeht, nicht so viel nachkommt, wie wir uns das wünschen. Während der Engpass an den Universitätskliniken noch nicht spürbar ist, klagen Peripherie-Krankenhäuser mittlerweile über Mangel.“
Von Mittwoch bis Samstag (11. bis 14. April 2012) diskutieren in Mannheim rund 7500 Teilnehmer aus etwa 25 Ländern aktuelle Entwicklungen aus allen Bereichen der Kardiologie.

Die Forschung schmackhaft machen: Den Einstieg erleichtern, den Verbleib fördern

„Eine zentrale Aufgabe der DGK besteht darin, den wissenschaftlichen und klinischen Nachwuchs zu fördern“, so Prof. Ertl. „Um hier Auswege zu bieten, verfolgt die DGK unterschiedliche Strategien.“ Eine wichtige Rolle spielen dabei Programme, die jungen Ärztinnen und Ärzten den Einstieg in die Forschung schmackhaft machen sollen, aber auch eine Reihe von Preisen, Stipendien und Reisekostenzuschüsse, die unter anderem das Ziel verfolgen, begabte Promovierende dazu zu bewegen, auch in der Forschung zu bleiben.

 
Bedürfnisse von Kardiologinnen stärker berücksichtigen – Arbeitsgruppe sucht Wege
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Frauenförderung. Prof. Ertl: „Wir sehen heute bei den Immatrikulationen bereits mehr als 60 Prozent Studentinnen. Da muss man sich natürlich die Frage stellen, wie eine Frau Kinderwunsch mit einer wissenschaftlichen oder kardiologisch-klinischen Karriere vereinbaren kann. Das ist bei den heutigen Strukturen sehr schwierig, nicht zuletzt auch für die niedergelassenen Kardiologinnen. Wir haben daher in der DGK eine Projektgruppe gegründet, die sich damit beschäftigt, wie die jungen Leute in Zukunft arbeiten wollen.“ In Deutschland sei es zum Beispiel nach wie vor schwierig, zu einer flexiblen Kinderbetreuung zu kommen.

Steigender Bedarf in der Versorgung trotz großer bisheriger Kardiologie-Erfolge

Vorbeugende Maßnahmen, die künftige Versorgungslücken in der deutschen Herz-Medizin verhindern sollen, sind umso wichtiger, als der Bedarf auf diesem Gebiet ständig steigt – trotz aller bisherigen Erfolge der Kardiologie. Prof. Ertl: „Zum Beispiel erhöhte sich in Deutschland zwischen 1980 und 2002 die Lebenserwartung bei Männern um 5,75 Jahre. Den wichtigsten Beitrag dazu leistete die sinkende Sterblichkeit bei Krankheiten des Kreislaufsystems: Sie ist für 2,62 Jahre der gewonnen Lebenserwartung verantwortlich.“ Ein weiteres Beispiel: Die Sterblichkeit bei Herzinfarkten ist in Deutschland von 2000 bis 2010 von 203,8 auf 162,8 pro 100.000 Einwohner gesunken.

„Solche Entwicklungen sind natürlich sehr erfreulich, sie dürfen aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es aus kardiologischer Sicht noch sehr viel zu tun gibt“, so Prof. Ertl. Jedes Jahr sterben weltweit 17 Millionen Menschen an Herz-Kreislauf-Krankheiten, nahezu die Hälfte aller Todesfälle in Europa gehen darauf zurück. Die Koronare Herzkrankheit (KHK) ist in Europa weiterhin führende Todesursache bei Männern über 45 Jahren und bei Frauen über 65 Jahren. Die neusten Zahlen des Statistischen Bundesamtes von 2011 bestätigen die unverändert hohe Häufigkeit an kardiovaskulären Todesfällen in Deutschland von rund 40 Prozent aller Todesfälle.

Ein Problem dabei. Wir werden immer älter, und dadurch steigt der Anteil von Herzkrankheiten betroffener Patienten. Prof. Ertl: „Eine spezielle Herausforderung ist die hier Herzinsuffizienz (HI, Herzschwäche), die einzige schwere Herzerkrankung, deren Häufigkeit kontinuierlich steigt. Als wichtigste Ursache gilt die Koronare Herzkrankheit. Überspitzt gesagt: Dank der Fortschritte der modernen Kardiologie überleben wir den Herzinfarkt, und entwickeln in der Folge eine Herzinsuffizienz.“

Herz-Kreislauf-Krankheiten bedeuten auch eine enorme Kostenbelastung. Eine aktuelle Studie des World Economic Forum und der Harvard University geht davon aus, dass in den nächsten 20 Jahren nicht übertragbare Krankheiten die Weltwirtschaft mehr als 30 Billionen US-Dollar kosten werden. Etwa 50 Prozent der Todesfälle aufgrund von nichtübertragbaren Krankheiten werden durch Herz-Kreislauf-Krankheiten verursacht.

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