Einleitung: Aktuell werden mehrere perkutane Therapiesysteme
zur Behandlung von Patienten mit hochgradiger funktioneller
Trikuspidalinsuffizienz (TI) in klinischen Studien getestet. Die Asklepios
Klinik St. Georg (AKS) in Hamburg nimmt aktiv an den Zulassungsstudien TRI-REPAIR
(Cardioband) und SPACER (Forma Tricuspid Repair System; beides Edwards Lifesciences,
Irvine, USA) teil. Für Patienten mit hochgradiger TI, die trotz optimaler
medikamentöser Therapie herzinsuffizient bleiben und studienspezifische Kriterien
erfüllen, können Screeningverfahren eingeleitet werden. Motivation dieser
Arbeit war eine Analyse der Prävalenz von Pat. mit hochgradiger TI und
derjenigen, die für ein studienbasiertes Screeningverfahren vorgesehen wurden,
sowie die Evaluation der Gründe für einen Ein- oder Ausschluss.
Material und Methoden: Es erfolgte retrospektiv eine Datenbank-Auswertung
aller transthorakaler Echokardiographien (TTE), die über den Zeitraum von 5
Monaten (Mitte Januar bis Mitte Juni 2017) in der kardiologischen Abteilung der
AKS durchgeführt wurden. Neben der Gesamtzahl aller TTE wurden die Patienten
identifiziert, denen eine hochgradige TI befundet wurde. Die Schweregradeinteilung der TI erfolgte
gemäß der europäischen Leitlinien. Informationen über Begleiterkrankungen und
Therapiestrategien wurden aus der elektronischen Patientenakte entnommen.
Ergebnisse: Bei einer Gesamtzahl von 4271 TTE wurden 104
Patienten (2,4%) mit einer hochgradigen TI identifiziert. Bei 99 Patienten lag
eine vorwiegend funktionelle, bei 5 eine
vorwiegend organische Genese vor. Insgesamt wurde bei 9 Patienten (9%) ein
Screeningverfahren eingeleitet. 8 Patienten (8%) wurden nach Optimierung der
medikamentösen Therapie für eine Verlaufsuntersuchung vorgesehen. 12 Patienten (12%)
lehnten invasive Therapiemaßnahmen ab und 4 Patienten (4%) waren beschwerdefrei
(NYHA I). 32 Patienten (32%) wiesen eines oder mehrere echokardiographische Ausschlusskriterien
(LVEF ≤30%, sPAP >60 mmHg, anderes behandlungsbedürftiges hochgradiges
Klappenvitium) auf. Weitere Ausschlusskriterien waren die Teilnahme an anderen
Studien (1 Patient), ein kritischer Allgemeinzustand oder eine lebensbedrohliche
Grunderkrankung (insg. 7 Patienten). 26 Patienten (26%) wurden aufgrund anderer
akuter kardiologischer und nicht-kardiologischer Erkrankungen nicht weiter
evaluiert (Abb. 1).
Zusammenfassung:
In 4271 TTE-Untersuchungen wurde bei
99 Patienten eine hochgradige funktionelle TI diagnostiziert. Akut wurden nur 9
Patienten (9%) mit diesem Krankheitsbild für einen interventionellen Therapieansatz
mit einem der beiden Systeme ins Screening gegeben. Eine
vergleichbar große Zahl wurde unter intensivierter Medikation
verlaufskontrolliert. Häufigste Gründe Patienten nicht für eine Behandlung
vorzusehen waren das Erfüllen von Ausschlusskriterien (40%) und andere im Vordergrund
stehende Erkrankungen (26%).

Abb. 1 Evaluation
von Patienten mit hochgradiger Trikuspidalinsuffizienz