Clin Res Cardiol 106, Suppl 2, October 2017

Hochgradige Trikuspidalinsuffizienz – Prävalenz und Potential für perkutane Behandlung
T. Wißt1, I. Dotz1, H. Alessandrini1, T. Schmidt1, D. Schewel1, C. Frerker1, K.-H. Kuck1, F. Kreidel1
1Kardiologie, Asklepios Klinik St. Georg, Hamburg;

Einleitung: Aktuell werden mehrere perkutane Therapiesysteme zur Behandlung von Patienten mit hochgradiger funktioneller Trikuspidalinsuffizienz (TI) in klinischen Studien getestet. Die Asklepios Klinik St. Georg (AKS) in Hamburg nimmt aktiv an den Zulassungsstudien TRI-REPAIR (Cardioband) und SPACER (Forma Tricuspid Repair System; beides Edwards Lifesciences, Irvine, USA) teil. Für Patienten mit hochgradiger TI, die trotz optimaler medikamentöser Therapie herzinsuffizient bleiben und studienspezifische Kriterien erfüllen, können Screeningverfahren eingeleitet werden. Motivation dieser Arbeit war eine Analyse der Prävalenz von Pat. mit hochgradiger TI und derjenigen, die für ein studienbasiertes Screeningverfahren vorgesehen wurden, sowie die Evaluation der Gründe für einen Ein- oder Ausschluss.

Material und Methoden: Es erfolgte retrospektiv eine Datenbank-Auswertung aller transthorakaler Echokardiographien (TTE), die über den Zeitraum von 5 Monaten (Mitte Januar bis Mitte Juni 2017) in der kardiologischen Abteilung der AKS durchgeführt wurden. Neben der Gesamtzahl aller TTE wurden die Patienten identifiziert, denen eine hochgradige TI befundet wurde.  Die Schweregradeinteilung der TI erfolgte gemäß der europäischen Leitlinien. Informationen über Begleiterkrankungen und Therapiestrategien wurden aus der elektronischen Patientenakte entnommen.

Ergebnisse: Bei einer Gesamtzahl von 4271 TTE wurden 104 Patienten (2,4%) mit einer hochgradigen TI identifiziert. Bei 99 Patienten lag eine vorwiegend funktionelle, bei  5 eine vorwiegend organische Genese vor. Insgesamt wurde bei 9 Patienten (9%) ein Screeningverfahren eingeleitet. 8 Patienten (8%) wurden nach Optimierung der medikamentösen Therapie für eine Verlaufsuntersuchung vorgesehen. 12 Patienten (12%) lehnten invasive Therapiemaßnahmen ab und 4 Patienten (4%) waren beschwerdefrei (NYHA I). 32 Patienten (32%) wiesen eines oder mehrere echokardiographische Ausschlusskriterien (LVEF ≤30%, sPAP >60 mmHg, anderes behandlungsbedürftiges hochgradiges Klappenvitium) auf. Weitere Ausschlusskriterien waren die Teilnahme an anderen Studien (1 Patient), ein kritischer Allgemeinzustand oder eine lebensbedrohliche Grunderkrankung (insg. 7 Patienten). 26 Patienten (26%) wurden aufgrund anderer akuter kardiologischer und nicht-kardiologischer Erkrankungen nicht weiter evaluiert (Abb. 1).

Zusammenfassung:  In 4271 TTE-Untersuchungen wurde bei 99 Patienten eine hochgradige funktionelle TI diagnostiziert. Akut wurden nur 9 Patienten (9%) mit diesem Krankheitsbild für einen interventionellen Therapieansatz mit einem der beiden Systeme ins Screening gegeben. Eine vergleichbar große Zahl wurde unter intensivierter Medikation verlaufskontrolliert. Häufigste Gründe Patienten nicht für eine Behandlung vorzusehen waren das Erfüllen von Ausschlusskriterien (40%) und andere im Vordergrund stehende Erkrankungen (26%).



Abb. 1 Evaluation von Patienten mit hochgradiger Trikuspidalinsuffizienz

 

 


http://www.abstractserver.de/dgk2017/ht/abstracts//P549.htm