H224 Drug eluting Stent, erfüllen sich die Erwartungen?
N.Franz
Schüchtermann-Klinik Abt. Kardiologie, Bad Rothenfelde.

Stents haben die Koronarangioplastie (PTCA) zu einem effektiven und sicheren Eingriff werden lassen. Bei mehr als 90% aller erstmals diagnostizierten Stenosen wird heute ein Stent implantiert. Gleichzeitig müssen 20-40% aller Patienten wegen In-Stent-Restenosen zum Teil wiederholt nachbehandelt werden. Seit den spektakulären 6-Monats-Ergebnissen der RAVEL - Studie 2001 (0% Rezidivstenosen) haben medikamentös beschichtete Stents (DES) die Erwartung geweckt, daß durch Verhinderung einer Neo-Intima-Hyperplasie das Problem der Re-Stenose im Stent gelöst werden kann und fokale koronare Strombahnhindernisse kurativ zu beseitigen seien. Hiermit würde sich auch neue Therapieoptionen für Patíenten eröffnen, die bisher nur chirurgisch versorgt werden konnten. Inzwischen bestätigen auch Studien mit einer Nachbeobachtung bis zu 3 Jahren, daß die Beschichtung mit Rapamycin bzw. Paclitaxel deutlich seltener zu Rezidivstenosen führt als bei der Verwendung unbeschichteter (“bare”) Stents. Dennoch werden DES in deutschen Herzzentren noch selten eingesetzt. Einige Gründe hierfür sind:

- Langzeitverläufe nach DES - Behandlung von “Risikopatienten” (Stenosen an Koronarostien, linkem Hauptstamm, Venenbypässen, stark verkalkten Segmenten und beim akuten Koronarsyndrom) sind noch nicht belegt;

- In den Studien mit DES wurden in der Mehrzahl der Fälle Patienten mit Ein-Gefäßerkrankung bzw. weniger komplexen Stenosen einbezogen, bei denen neu entwickelte “bare stents” ebenfalls geringere Restenoseraten aufweisen;

- DES sind derzeit 5 - 10 mal teurer als “bare stents”, deutsche Krankenversicherungen übernehmen die Kosten trotz geringerer Nachsorgeaufwendungen in der Regel nicht.

Die bisherigen Ergebnisse zum Einsatz von DES haben hochgesteckte Erwartungen geweckt, die sich auf eine Beseitigung der Restenose - Problematik und damit auch auf eine Ausweitung der Indikationsstellung zu Lasten chirurgischer Indikationen beziehen. Trotz der aktuell vorliegenden, sehr ermutigenden Studienergebnisse sollte eine abschließende Beurteilung des Stellenwertes von DES jedoch von Langzeitbefunden an großen Patientenkollektiven mit Einschluß vorwiegend komplexer Koronarstenosen abhängig gemacht werden.