H467 Lebensstiländerung: Was ist gesichert?
H.Gohlke
Klin. Kardiologie II Herz-Zentrum Bad Krozingen, Bad Krozingen.

Die koronare Herzerkrankung (KHK) wird durch unseren Lebensstil begünstigt: Nikotinkonsum, fettreiche, ballaststoffarme Ernährung, geringe körperliche Aktivität, Übergewicht, Diabetes, erhöhter Alkoholkonsum und psychischer Stress tragen zur Entstehung und Progression der KHK bei.

Die konventionellen Risikofaktoren (RF) können in prospektiven Beobachtungsstudien über 80 % der kardiovaskulären(kv) Ereignisse erklären. Die KHK ist deshalb eine in hohem Maße vermeidbare Erkrankung. Weniger gut gesichert ist, wie weit eine Lebensstiländerung (LSÄ) im mittleren Alter eine KHK modifizieren oder verhüten kann.

Der Lebensstil wird in vieler Hinsicht nicht durch die Ratio, sondern durch Veranlagung, Erziehung und Gewohnheiten bestimmt. Randomisierte Studien (RCT) zur LSÄ sind deshalb schwierig und nur in begrenztem Umfang durchgeführt worden.

Nikotinverzicht: Rauchen ist für 50 % aller vermeidbaren Todesfälle verantwortlich, die Hälfte davon sind auf kv Erkrankungen zurückzuführen. Es besteht eine deutliche Beziehung zwischen der Anzahl der gerauchten Zigaretten und der Erhöhung des kv Risikos. Das Risiko ist besonders hoch, wenn mit dem Rauchen bereits vor dem 15. Lebensjahr begonnen wird. Rauchen verdoppelt das bereits erhöhte Risiko für Herzinfarkt,plötzlichen Herztod und Schlaganfall bei Patienten mit erhöhtem Blutdruck oder Diabetes.

Es liegen keine RCT vor,aber überzeugende Beobachtungsstudien für einen Nutzen des Nikotinverzichtes bis ins hohe Alter: Klare Empfehlung zum Nikotinverzicht; Evidence-Level B [B] (=sorgfältige Analysen von nichtrandomisierten Studien ).

Ernährung: Prospektive Beobachtungsstudien über Nahrungskomponenten und Ernährungsprinzipien (westliche Ernährung vs. mediterrane Kost) belegen Einfluss auf Entstehung der KHK und plötzlichen Herztod;[B]Ernährungsumstellung nach Infarkt: Nachweis einer Prognoseverbesserung durch Fisch bzw. mediterrane Kost bei Patienten nach Herzinfarkt: Evidence-Level A [A](=mehrere RCT)

Alkoholkonsum: Beobachtungsstudien: geringer Alkoholkonsum hat bei Männern mit erhöhtem Risiko (>55J)einen günstigen Effekt auf Prognose; keine RCT [B]

Gewicht: Beobachtungsstudien: Korrelation zwischen Gewicht und kv Erkrankungen/Todesfällen; Verdoppelung der Häufigkeit des plötzlichen Herztodes bei BMI > 30. Vierfach (m) bzw. achtfach (w) erhöhtes Risiko für Diabetes. [B]; Keine randomisierten Endpunktstudien mit Gewichtsreduktion als primärer Intervention. [B].

Körperliche Aktivität: Bewegungsmangel ist ein anerkannter RF für KHK. Es besteht eine inverse Beziehung zwischen Intensität der körperlichen Aktivität bzw. Fitness und der KHK-Inzidenz im weiteren Verlauf:[B]

Verbesserung sekundärer Endpunkte (Leistungsfähigkeit, Angina pectoris.);[A];

Verminderung von kardialen Ereignissen und Krankenhausaufnahmen nach PTCA; Verbesserung der Leistungsfähigkeit im Vergleich zu PTCA:[A]- [B].

RR-Senkung bei Hypertonikern;[A]. Verminderung der Insulinresistenz; Verzögerung des Auftretens eines Diabetes durch aktiven Lebensstil:[A].

Senkung der Triglyzeride und in geringerem Umfang des LDL-Cholesterins; Anstieg der HDL-Cholesterins. [A]

Schlussfolgerung: Die aus Beobachtungsstudien stammenden Kenntnisse über die Bedeutung des Lebensstiles für die Entstehung der KHK werden zunehmend durch RCT bestätigt. Wichtige Fragen zur Quantifizierung sind noch offen. Dennoch sollte der Verbesserung des Lebensstils eine größere Bedeutung bei der (Primär-)Prävention der KHK zukommen. Dies müsste in stärkerem Maße auch durch politische Maßnahmen unterstützt werden.