H464 Chronische Aortendissektion: Zuwarten oder Intervention?
T.Weiss
Med. Hochschule Hannover Abt. Kardiol. u. Angiologie, Hannover.

Die Aortendissektion wird als chronisch bezeichnet, wenn das Akutereignis mehr als 14 Tage zurückliegt oder wenn die Dissektion zufällig entdeckt wurde. Da die unkomplizierte Typ B Dissektion aufgrund der relativ günstigen Prognose (30 Tage Letalität 10% ) primär konservativ behandelt wird, stehen hier Daten zum Langzeitverlauf zur Verfügung. Nach 5 Jahren sind etwa die Hälfte der Patienten verstorben, 1/5 an einer Ruptur. Die Morbidität und Mortalität der elektiven Operation liegt bei 10 - 20 % und steigt dramatisch an, wenn bereits aneurysmabedingte Komlikationen eingetreten sind, so daß das Risiko des Spontanverlaufs dem Operationsrisiko gegenübersteht.

Allgemein entspricht die Therapie der chronischen Aortendissektion der von Aortenaneurysmata. Akzeptierte Indikationen zur chirurgischen Therapie der chronischen Typ A Dissektionen sind ein Aortendurchmesser > (5) - 6 cm oder Symptome der Aorteninsuffizienz, entsprechend wird bei chronischen Typ B Dissektionen eine Operation bei Symptomen oder einem Durchmesser > 6 cm empfohlen. Die Entwicklung der Stentgrafts hat die therapeutischen Möglichkeiten erweitert. In mehreren Untersuchungen konnten chronische Typ B Dissektionen endovaskulär mit im Vergleich zur Operation niedrigerer Komplikationsrate behandelt werden, so daß nun das reduzierte Interventionsrisiko für eine frühere präventive Behandlung sprechen könnte. Allgemein anerkannte Kriterien, welche Patienten mit chronischer Typ B Dissektion besonders gefährdet sind und deswegen möglicherweise von einer früheren Intervention profitieren können, liegen nicht vor. Verschiedene Faktoren, wie Aneurysmadurchmesser und Perfusion des falschen Lumens, scheinen mit einer raschen Zunahme der Gefäßquerschnitts und Zunahme der Rupturgefahr verbunden zu sein. Ihr Stellenwert hinsichtlich einer Risikoabschätzung und Behandlungsindikation wird diskutiert.

Welche der Strategien nun überlegen ist - die konservative oder eine frühe interventionelle - werden erst die Ergebnisse der prospektiven Studie INSTEAD klären können.