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In den letzten Jahren hat die Anzahl der diagnostizierten Aortenerkrankungen deutlich zugenommen. Dies hängt zum einen mit dem steigenden Alter der Bevölkerung zusammen, zum anderen mit der Verbesserung diagnostischer Verfahren. Mittels moderner CT- und MRT-Diagnostik können heutzutage pathologische Veränderungen der Aorta erfaßt werden, die mit der herkömmlichen Bildgebung nur unzureichend darzustellen waren und somit früher möglicherweise übersehen wurden. Zu diesen Krankheitsbildern zählt das zum Formenkreis der akuten Aortensyndrome gehörende Aortenwandhämatom oder intramurale Hämatom der Aorta (IMH). Nach der neueren Einteilung der European Task Force werden fünf Untergruppen von Aortendissektionen unterschieden. Neben den “klassischen” Aortendissektionen zählen dazu das penetrierende Aortenulcus (PAU), die iatrogene/ traumatische Dissektion, die lokalisierte diskrete Dissektion und das IMH. Zur Beschreibung der Lokalisation wird weiterhin die Stanford bzw DeBakey Klassifikation angewendet. Das IMH wird aufgrund des initial meist auftretenden fulminanten Schmerzbeginns auch als “Apoplexie” der Aorta bezeichnet und betrifft häufig eher mittelalte Patienten. Ätiologisch liegt eine Ruptur der Vasa vasorum der Aortenmedia zugrunde. Mögliche Komplikationen umfassen Ruptur, Progress zur klassische Dissektion sowie die Entwicklung eines Aneurysmas. Neben dem akuten, unter Umständen mehrzeitig auftretendem aortalen Schmerz sind diagnostisch die klassischen Befunde der Aortendissektion richtungsweisend: eine Mediastinalerweiterung im Röntgen-Thorax, ein neu aufgetretenes Diastolikum (Typ A), ein Pleura- oder Perikarderguß und seltener eine Puls-/und Blutdruckdifferenz der oberen und unteren Extremitäten sowie eine entsprechende Organsymptomatik. Unerläßlich bei Verdacht auf ein IMH ist zur Sicherung der Diagnose die Durchführung eines ausreichenden Bildgebungsverfahrens. Je nach Lokalisation und Möglichkeiten des behandelnden Zentrums kann dies die Erstellung eines TEE, KM-CT, SpiralCT oder MRT bedeuten. Die Behandlung des IMH ist abhängig von Lokalisation, Morphologie und Verlauf. Während beim Typ A eine operative Revision unerläßlich ist, kann bei Typ B zunächst eine konservative Therapie mit strenger Blutdruckeinstellung, möglichst mittels -Blocker, angestrebt werden. Kommt es jedoch zu persistierenden/rezidivierenden Schmerzen, einer zunehmenden Dilatation/Dissektion, einer Ausdehnung des Hämatoms oder einer Organ-/ Extremitätenischämie ist auch beim Typ B die Operation angezeigt. Durch eine rasche Diagnose und richtige Behandlung kann die quoad vitam schlechte Prognose des IMH deutlich verbessert werden.
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