H458 Mehrzeilen-CT: Welche Indikationen?
W.Moshage
KlinikumTraunstein, Med. Abteilung, Kardiologie, Traunstein.

Mehrzeilen-CT-Systeme (4- oder 16- Zeilen MDCT) erlauben heute vergleichbare Anwendungen in der Kardiologie wie die bereits etablierte Elektronenstrahltomographie (EBCT). Technische Unterschiede zwischen den beiden Methoden bedingen unterschiedliche Akquisitionszeiten, Ortsauflösungen und Strahlenexpositionen.

Bei EKG-getriggerter Anwendung eignen sich beide Methoden hervorragend zur Bildgebung des Herzens und der großen Gefäße bezüglich Morphologie, Ventrikelfunktion und -perfusion. Die schnelle Gesamtmeßzeit bei gleichzeitig hoher Ortsauflösung verbunden mit der Möglichkeit einer genauen Quantifizierung und topographischen Zuordnung von intra- und extrakardialen Kalzifierungen sind wesentliche Vorteile auch gegenüber der Echokardiographie und der Kernspintomographie. Dies gilt speziell für angeborene Vitien, Raumforderungen, Gefäßdissektionen aber auch pulmonal-arterielle Embolien, Klappen- und Perikardverkalkungen. Insbesondere auch bei unruhigen Patienten können so weitgehend artefaktfreie Abbildungen des Herzens und der großen Gefäße gewonnen werden. Die Möglichkeit der semiquantitativen Beurteilung der Myokardperfusion ist tierexperimentell und klinisch für die EBCT belegt, bleibt aber auf spezialisierte Zentren für spezielle Problemstellungen beschränkt.

Das klinische Interesse konzentriert sich jedoch im Wesentlichen auf die nicht-invasive Beurteilung der Koronargefäßwand ohne und mit intravenöser Kontrastmittelgabe. Die quantitative Erfassung von koronaren Kalzifizierungen zur Früherkennung einer koronaren Herzerkrankung erfolgt weitgehend standardisiert. Gesichert ist, daß der Nachweis von Koronarkalk als atherosklerotischer Marker mit einem hohen kardialen Ereignisrisiko assoziiert ist und daß eine Progression der koronaren Herzerkrankung über koronare Kalzifizierungen auch quantitativ erfassbar ist. Geeignete Kandidaten für den koronaren Kalknachweis sind nach den aktuellen Empfehlungen Patienten mit einem intermediären Risiko für eine koronare Herzerkrankung. Über den Nachweis und die Differenzierung nicht-kalzifizierter Plaques könnte in Zukunft ein echtes nicht-invasives koronares Plaques-Imaging möglich werden, erste Studienergebnisse dazu liegen vor.

Aufgrund der bisherigen Studienlage kann eine nicht-invasive Koronarangiographie (CTA) mittels EBCT oder MDCT als Ersatz der Herzkatheteruntersuchung zum Ausschluß signifikanter Koronarstenosen (NPV > 95-98%), zum Follow-up nach PTCA (ohne Stent), zur Beurteilung aortokoronarer Venenbypässe und zum Nachweis bzw. zur Darstellung des anatomischen Verlaufs koronarer Anomalien sinnvoll eingesetzt werden. Allerdings muß von einer reduzierten Bildqualität bei ca. 10-20% der Gefäßsegmente ausgegangen werden. Limitierende Faktoren sind insbesondere ausgeprägte Kalzifizierungen, Atem- und Bewegungsartefakte, sowie Herzrhythmusstörung.