H457 Echokardiographie: Was bringen die Innovationen für die Praxis?
F.Flachskampf
Med. Klinik II, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Erlangen.

Die Echokardiographie baut ihre zentrale Rolle unter den nichtinvasiven bildgebenden Verfahren in der Kardiologie durch verschiedene Weiterentwicklungen aus. Dies sind in der z.Z. absehbaren Reihenfolge ihrer Bedeutung:

•Verbesserung der 2D-Bildqualität (Harmonische Bildgebung, bessere Schallköpfe, gesteigerte Bildfrequenz, “digitales Labor”). Diese mittlerweile ubiquitär in die besseren Geräte integrierten Entwicklungen erhöhen deutlich die diagnostische Ausbeute. Dabei kann die Harmonische Bildgebung zu einer Verringerung der Ortsauflösung und somit z.B. zu gegenüber der konventionellen Bildgebung veränderten Werten für die Masse des linken Ventrikels führen.

•Tragbare kleine Echogeräte erleichtern die bettseitige Diagnostik, etwa auf Intensivstationen und in Notaufnahmen. Je nach Ausstattung reichen diese Geräte teilweise an die diagnostischen Fähigkeiten “großer” Mittelklasse-Geräte heran. Wichtigster Faktor für den sinnvollen Einsatz ist daher weniger die technische Ausstattung als die Sicherstellung der Untersucherkompetenz.

•Messung der regionalen myokardialen Funktionsparameter Verformung (strain) und Verformungsrate (strain rate) mit dem Gewebedoppler. Diese Daten stellen eine wesentliche Bereicherung der kardiologischen Diagnostik dar. Die Anwendung erstreckt sich auf die Detektion akut ischämischen Myokards, die Abgrenzung vitalen Myokards von einer Narbe, die (frühe) Erkennung von Kardiomyopathien, möglicherweise auch die Myokardfunktionsbeurteilung bei Vitien. Die Parameter sind derzeit noch nicht universell verfügbar und artefaktanfällig, eine Anwendung in der Routine jedoch absehbar.

•Die Echtzeit-3D-Echokardiographie stellt einen wichtigen Fortschritt auf diesem immer noch experimentellen Gebiet dar. Für eine Routineanwendung bleibt die eingeschränkte Bildqualität limitierend. Praktische Anwendungen betreffen speziell die prä- und postinterventionelle Evaluation von Shuntläsionen sowie die Messung von Volumina und Massen kardialer Strukturen zu wissenschaftlichen Zwecken.

•Linksherz-Echokontrast hat zur besseren Endokardkonturabgrenzung hat eine Nischenrolle bei schwierigen Schallbedingungen (z.B. Stressecho, Intensivstation), wird aber wegen der Kosten wenig benutzt. Die myokardiale Kontrastechokardiographie zur Perfusionsdarstellung konnte sich trotz ausgezeichneter experimenteller Daten klinisch bislang nicht etablieren. Die Technik ist noch methodisch in der Entwicklung und ein eindeutiger Zusatznutzen (z.B. für die Stressechokardiographie) konnte nicht konsistent belegt werden.

•Intrakardiale Hochfrequenz-Echokardiographie: intravasal eingebrachte Ultraschallkatheter mit 5-15 MHz-Arbeitsfrequenzen zur Darstellung der großen Gefäße und des Herzens können bei Spezialindikationen wie der interventionellen Behandlung des akuten Aortensyndroms, bei interventionellen Shuntverschlüssen sowie zur Navigation in der Elektrophysiologie hilfreich sein. Sie haben derzeit experimentellen Status und müssen sich insbesondere im Hinblick auf die Kosten-Nutzen-Relation praktisch bewähren.

Insgesamt zeigt sich bei der praktischen Anwendung der immer umfangreicheren technischen Möglichkeiten der Echokardiographie, dass sehr häufig die Untersucherkompetenz die Aussagekraft der Untersuchung weit mehr limitiert als die vorhandenen technischen Möglichkeiten.