H455 Rehabilitation nach Myokardinfarkt mit ST-Streckenhebung (STEMI). Ambulant, stationär oder gar nicht?
E.Hoberg
Kompass Klinik Kiel, Kiel.

Zu den allgemeinen Zielen kardiologischer Anschlussrehabilitationen gehören die Verbesserung oder Wiederherstellung der körperlichen Leistungsfähigkeit, die soziale Reintegration und die Vermittlung von Strategien zum Umgang mit chronischen Erkrankungen. Nach Myokardinfarkten sind die psychische Stabilisierung und die Sekundärprävention als zusätzliche, krankheitsspezifische Ziele zu nennen. Die allgemeinen Rehabilitationsziele werden bei der überwiegenden Zahl der Patienten erreicht, wobei der Erfolg der beruflichen Wiedereingliederung stark von nichtmedizinischen Faktoren bestimmt wird.

Die kardiovaskulären Risikofaktoren werden zwar während der Anschlussrehabilitation günstig beeinflusst; dieser Effekt ließ sich aber bisher in der Regel nicht über einen längeren Zeitraum konservieren. Die HANSA-Studie hat inzwischen gezeigt, dass es durch einmal pro Quartal in der Rehabilitationsklinik durchgeführte, halbtägige Nachsorgeseminare gelingen kann, dieser Verschlechterung des Risikoprofils erfolgreich entgegen zu wirken. Ein besonders günstiger Effekt zeigte sich in dieser randomisierten, kontrollierten Multicenter-Studie für das Ausdauertraining und das LDL-Cholesterin.

Inzwischen besteht auch in Deutschland im Grundsatz die Möglichkeit, das Rehabilitationsprogramm in Abhängigkeit von den persönlichen Belangen des Patienten vollständig oder teilweise ambulant anzubieten. Ambulante und stationäre Rehabilitation sind dabei nicht als sich ausschließende Alternativen, sondern als sich ergänzende Bausteine eines durch Flexibilität gekennzeichneten Rehabilitationskonzeptes anzusehen. Die praktische Umsetzung eines solchen Konzeptes muss regionale Gegebenheiten berücksichtigen. Dort, wo die Umsetzung gelungen ist, hat die Rehabilitation bereits wieder an Bedeutung für die integrierte Versorgung des Postinfarktpatienten gewonnen.

Die wissenschaftliche Evaluation der neuen Rehabilitationskonzepte in prospektiven, randomisierten Studien ist trotz methodischer Schwierigkeiten einzufordern. Dabei wäre es allerdings unzureichend, den Stellenwert der AHB nach Myokardinfarkt allein am Einfluss auf das Risikoprofil im Langzeitverlauf zu messen. Vielmehr gilt es, auch die übrigen Rehabilitationsziele und die spezifischen Kompetenzen in der Rehabilitation in solche Analysen einzubeziehen.