| H454 | Risikostratifizierung nach Myokardinfarkt mit ST-Streckenhebung (STEMI): Wieviel Diagnostik muss sein? |
| S.Felix, D.Vogelgesang | |
| Klinik für Innere Medizin B, Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, Greifswald. | |
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Trotz leicht rückläufiger Inzidenz gehört der akute Myokardinfarkt nach wie vor zu den häufigsten Todesursachen in den westlichen Industrienationen. STEMI sollten unverzüglich einer invasiven Diagnostik/interventionellen Therapie unterzogen werden. Steht diese nicht in akzeptabler Zeit zur Verfügung, so ist die intravenöse, systemische thrombolytische Therapie angezeigt, der je nach klinischem Verlauf, akut oder im Intervall die invasive Diagnostik folgen sollte. Nach überlebtem STEMI und abgeschlossener Revaskularisation sollte eine Risikostratifizierung erfolgen, welche die Erfassung der behandelbaren kardiovaskulären Risikofaktoren (Diabetes mellitus, arterieller Hypertonus, Hypercholesterinämie) und der zu normalisierenden Lebensgewohnheiten (Nikotinabusus, Bewegungsmangel, Fehlernährung, Übergewicht) sowie die Bestimmung der linksventrikulären Auswurffraktion (EF) beinhalten muss. Kardiovaskuläre Risikofaktoren, insbesondere der Diabetes mellitus und die Hypercholesterinämie, müssen neben entsprechenden Allgemeinmaßnahmen eine medikamentöse Therapie nach sich ziehen. Bei Patienten mit einer EF < 30% kann den Ergebnissen der MADIT II Studie zufolge die Implantation eines Cardioverter/Defibrillator-Systems erwogen werden. Neben diesen etablierten Prediktoren einer erhöhten kardiovaskulären Morbidität und Mortalität wurde die prognostische Bedeutung neuer laborchemischer Parameter (hochsensitives C-reaktives Protein [hsCRP], brain natriuretic peptid [BNP], N-terminales Pro-BNP, löslicher CD40 Ligand) wissenschaftlich untersucht. Das hsCRP stellt bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit den gegenwärtig stärksten Prediktor für zukünftige kardiovaskuläre Ereignisse dar. Dieser Zusammenhang gilt für klinisch Gesunde, für Patienten mit stabiler Angina pectoris sowie mit akutem Koronarsyndrom (ACS) einschließlich akutem Myokardinfarkt. Ein neuer Prognosemarker für Patienten mit ACS einschließlich STEMI ist das BNP bzw. N-terminale Pro-BNP, bestimmt 12 Stunden bis 10 Tage nach Symptombeginn. Bei Patienten mit ACS konnte gezeigt werden, dass erhöhte Plasma-BNP-Werte einen unabhängigen Risikofaktor für Tod innerhalb der nächsten 10 Monate darstellen und assoziiert sind mit dem Risiko des Reinfarktes oder einer Verschlechterung der Herzinsuffizienz. Das N-terminale Pro-BNP ist ebenfalls ein unabhängiger Prediktor der Mortalität nach nicht-transmuralem Myokardinfarkt oder STEMI. Neue Ergebnisse deuten darüber hinaus auf eine mögliche prognostische Bedeutung des löslichen CD40 Liganden, eines Indikators erhöhter Thrombozytenaktivität. In der CAPTURE-Studie wiesen Patienten mit ACS und erhöhten Serumspiegeln dieses Markers in der Plazebogruppe eine deutlich erhöhte Mortalität und Re-Infarkt-Inzidenz nach einem und sechs Monaten auf. |