H352 Cholesterin: Therapie nach LDL-Wert?
J.Kreuzer
Med. Klinik Inn. Medizin III Univ.-Klinik Heidelberg, Heidelberg.

Die Hypercholesterinämie ist ein etablierter Risikofaktor für die Atherogenese. Große epidemiologische Studien konnten eindeutig die positive Korrelation zwischen der Höhe des “Low Density Liporotein” (LDL)-Cholesterins und dem Auftreten atherosklerotischer Gefäßerkrankungen nachweisen. Auch der Nachweis, dass sich durch eine Senkung des LDL- Cholesterins eine Verringerung vaskulärer atherothrombotischer Ereignisse erzielen läßt, konnte geführt werden. Mehrere große randomisierte prospektive Studien haben gezeigt, dass mit einer LDL-Senkung auch eine Reduktion des kardiovaskulären Risikos und der kardiovaskulären Mortalität verbunden ist. Die medikamentöse Senkung erhöhter LDL-Cholesterinwerte gehört daher in der Sekundärprävention mittlerweile weitgehend zur Standardtherapie.

Wie tief der LDL-Cholesterinwert gesenkt werden muß, um eine optimale Prävention zu erzielen, ist jedoch unklar. Diese Frage wird auch durch die Guidelines der Fachgesellschaften nur teilweise beantwortet. Die Hypothese, dass “umso niedriger auch umso besser ist”, erscheint attraktiv, ist allerdings bislang nicht zufriedenstellend belegt. Ebenso unklar ist, ob auch ein bereits vor Therapie niedriger LDL- Cholesterinwert bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit (KHK) weiter gesenkt werden muß. LDL hat sowohl in seiner nativen als auch in seiner modifizierten Form, etwa als oxidiertes LDL, einen ganz entscheidenden Anteil an der Pathogenese der Arteriosklerose. Daher ist es wahrscheinlich, dass auch bei Patienten mit KHK und niedrigem LDL-Cholesterin dieses Lipoprotein den gleichen Effekt hat wie bei Patienten mit hohen Werten. Möglicherweise gibt es eine individuelle schädliche LDL Konzentration, die durch eine Vielzahl von Faktoren, wie z.B Konzentration und Zusammensetzung des “High Density Lipoprotein” (HDL)-Cholesterins, beeinflußt wird.

Auch wenn eine abschließende Beurteilung derzeit noch nicht vorgenommen werden kann, so spricht vieles dafür, dass auch bei Patienten mit primär niedrigen Cholesterinwerten, eine LDL-Senkung in der Sekundärprävention erzielt werden sollte. Dies gilt um so mehr wenn andere Risikofaktoren nicht ausreichend zu beeinflussen sind.