H341 Optimale Lysestrategien: Trotzdem Perkutane Koronarintervention?
G.S.Werner
Klinik f. Inn. Medizin I Klinikum d. Universität Jena, Jena.

Eine optimale Lysestrategie zeichnet durch eine einfache Durchführbarkeit und hohe Wirksamkeit aus. Moderne Fibrinolytika erfüllen dieses erstes Kriterium, ihre Wirksamkeit hinsichtlich der Eröffnungsrate eines verschlossenen Infarktgefäßes ist jedoch begrenzt (TIMI III-Fluß innerhalb von 90 Minuten ca. 63% [TIMI 10B; RAPID II]). Wird der Infarktpatient in ein Krankenhaus aufgenommen, in dem eine sofortige interventionelle Therapie zur Verfügung steht, so besteht kein Zweifel an der Überlegenheit der Akutintervention gegenüber der Lysetherapie (TIMI III-Fluß in >90%).

Allerdings erfolgt die Erstbehandlung des akuten Infarktes in der Mehrzahl der Fälle in Krankenhäusern ohne Interventionsmöglichkeit. Hier ist die Lyse die einzig zur Verfügung stehende kausale Therapieoption. Kann keine Lyse erfolgen, sollte eine Verlegung in ein Interventionszentrum erfolgen. Dies gilt auch insbesondere für alle Patienten mit beginnenden Zeichen einer Herzinsuffizienz oder gar manifesten kardiogenen Schocks. Bei Patienten ohne Kontraindikationen gilt möglichst frühzeitige Lysetherapie, bei eindeutiger EKG-Diagnostik bereits durch den Notarzt. Die Studien mit Lyse und planmäßiger invasiver Frühdiagnostik und Intervention weisen keine erhöhte schwere Komplikationsrate für die PTCA auf, so daß eine Kombination mit einer späteren Intervention möglich ist (PACT-Studie). Für das ertversorgende Krankenhaus stellen sich dann grundsätzlich 2 alternative Strategien:

1) Verlegung immer ins Interventionszentrum. Realistisch muß immer mehr als 1 Stunde Verzögerung für einen Transport zwischen Krankenhäusern kalkuliert werden so daß eine Lyse vor Verlegung bei fehlenden Kontraindikationen zu empfehlen ist.

2) Verlegung nur bei Therapieversagen. Dieses Vorgehen birgt die Gefahr der erheblichen zeitlichen Verzögerung bei fehlendem Lyseerfolg. Daher sollte nur bei einem frühen Lyseerfolg, erkennbar an Symptomatik und vor allem den EKG-Veränderungen, auf eine akute Verlegung verzichtet werden. Ein Abwarten enzymatischer Parameter ist obsolet.

Die optimale Lysestrategie sollte eine großzügige und frühzeitige Indikationsstellung zur invasiven Diagnostik und Therapie mit einschließen.