H209 Zellersatztherapie des Herzinfarktes: Therapie mit Knochenmarkstammzellen.
1B.-E.Strauer, 1M.Brehm, 1T.Zeus, 2P.Wernet
1Klinik für Kardiologie, Pneumologie und Angiologie, Heinrich-Heine-Universität, Düsseldorf; 2Klinik für Transplantationsdiagnostik und Zelltherapeutika, Heinrich-Heine-Universität, Düsseldorf.

Trotz der Entwicklung neuer medikamentöser, interventioneller und operativer Therapieverfahren auf der Grundlage eines wachsenden Verständnisses der zugrunde liegenden Pathogenese führt der akute Herzinfarkt nach wie vor zu chronischen Strukturveränderungen des Herzens. In den letzten Jahren entwickelte sich hier mit der intensiven Erforschung verschiedener Formen der Zellersatztherapie eine völlig neue Behandlungsoption. Die grundlegende Idee der Zelltherapieverfahren ist der Ersatz von irreversibel geschädigtem Myokard durch gesunde Herzmuskel- und/oder Gefäßzellen, da eine Spontanregeneration durch teilungsfähige Vorläuferzellen nur bedingt stattfindet. Tierexperimentell konnte bereits eine myokardiale und vaskuläre Regeneration im Bereich des Nekroseareals durch die Transplantation verschiedenster Stamm- und/oder Vorläuferzellen erreicht werden.

Zwei entscheidende Faktoren führen dazu, dass in den meisten klinischen Studien autologe Knochenmarkzellen oder deren Subpopulationen eingesetzt wurden:

1.Durch den Einsatz adulter Stamm- und Vorläuferzellen vermeidet man die ethischen Probleme.

2.Eine immunologische Abstoßungsreaktion kann ausgeschlossen werden, da die Zellen aus dem körpereigenen Knochenmark des Patienten gewonnen werden können.

Mit dem Ziel, Sicherheit und Effektivität einer intrakoronaren Applikation autologer, mononukleärer Knochenmarkszellen erstmals bei Patienten mit akutem Myokardinfarkt nachzuweisen, wurde am Universitätsklinikum Düsseldorf eine Studie an bislang 40 Patienten durchgeführt. Die Behandlung des akuten Herzinfarktes erfolgte zunächst durch eine Standardtherapie bestehend aus Akutintervention und begleitender medikamentösen Therapie. Am Tag 8±3 nach dem akuten Infarktereignis wurde 20 Patienten durch eine Beckenkammpunktion körpereigenes Knochenmark entnommen. Weitere 20 Patienten, die das Zellersatztherapieverfahren abgelehnt hatten, bildeten das Kontrollkollektiv. Unter GMP-Bedingungen erfolgte die Extraktion der mononukleären Zellfraktion. 24 Stunden nach Punktion wurde dann eine Zellsuspension aus autologen, mononukleären Knochenmarkszellen direkt in die wenige Tage zuvor wiedereröffnete Koronararterie bei inflatiertem Ballon durch ein over-the-wire-System infundiert.

Initial, 3 und 15 Monate nach der Zelltransplantation wurden umfassende kardiologische Untersuchungen durchgeführt, mit dem Ziel Funktion, Perfusion, Stoffwechsel und kardiale Geometrie zu dokumentieren. Hervorzuheben ist, dass das Infarktareal sich in der Zelltherapiegruppe signifikant im Vergleich zur Standardtherapiegruppe reduzierte. Weiterhin kam es lediglich in der Zelltherapiegruppe zu einer signifikanten Verbesserung der regionalen Kontraktion im Infarktareal sowie der globalen Ejektionsfraktion. Diese Verbesserungen zeigten einen stabilen Langzeitverlauf, der bei 10 Patienten auch nach 15 Monaten noch nachgewiesen werden konnte. Additive Untersuchungen, die ausschließlich in der Zelltherapiegruppe durchgeführt wurden, zeigten signifikante Verbesserungen bezüglich Myokardperfusion und Myokardstoffwechsel.

Die klinischen Untersuchungen rechtfertigen folgende Schlußfolgerungen:

1. Die intrakoronare Transplantation autologer, mononukleärer Knochenmarkzellen ist methodisch und therapeutisch sicher und klinisch realisierbar.

2. Die positiven Untersuchungsergebnisse bezüglich Funktion, Perfusion und Myokardstoffwechsel belegen eine langfristige Regeneration des initial geschädigten Herzmuskels.