H189 Aortenklappeninsuffizienz: Wann ist der optimale Operationszeitpunkt?
T.Wahlers
Klinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie, Klinikum der Friedrich-Schiller-Universität Jena, Jena.

Der optimale Zeitpunkt zur Operation bei Patienten mit Aortenklappeninsuffizienz ist in Vergleich zu anderen Vitien oftmals schwer festzulegen, da Aortenklappenvitien langfristig sehr viel besser hämodynamisch toleriert werden.

Heutzutage ist ein Aortenklappenersatz mit großer Sicherheit chirurgisch durchzuführen, unabhängig davon, welches Klappensubstitut zur Anwendung kommt. Zahlenmäßig überwiegt in der Bundesrepublik der mechanische Aortenklappenersatz mit etwa 60%. Das perioperative Operationsrisiko liegt zwischen ca. 0-4%. Es wird bei den bis 65-jährigen Patienten und darüber hinaus wesentlich vom Allgemeinzustand des Patienten, respektive Nebenerkrankungen (Nierenfunktionsstörungen, COPD, CVI) definiert.

1. Grundsätzlicher Konsens besteht nach den internationalen Guidelines (AHA/ACC) darüber, dass rezidivierend dekompensierte Patienten, ein NYHA III/IV Stadium sowie die akute schwere klappenbedingte Herzinsuffizienz bei erhaltener LV-Funktion definitive Operationsindikationen darstellen.

2. im NYHA II Stadium besteht eine Indikation bei zunehmender LV-Dilatation sowie bei Angina Symptomatik.

3. Bei Patienten mit der Indikation zur Bypassoperation sollte eine insuffiziente Klappe mit ersetzt werden.

4. Liberaler wird darüber nach den Erfahrungen der letzten 5 Jahre die Operationsindikation bei Patienten mit gleichzeitig bestehender Dilatation der Aorta ascendens gesehen. Hier kann in vielen Fällen eine Klappenrekonstruktion nach der ,,David“- oder ,,Yacoub”-Methode erfolgen und die native Klappe erhalten werden. In diesen Fällen sollten bei gegebener Expertise ein klappenerhaltender Eingriff bei Aortendiametern von >=4,5 - 5 cm und AI>=2. Grades bei gegebener Expertise durchgeführt werden.

Nach Klappenersatz oder Rekonstruktion ist mittelfristig ein Remodeling des Ventrikels nach 6-12 Monaten zu erwarten.