|
Das Konzept des medikamenten-beschichteten Koronarstents hat sich in jüngster Vergangenheit als eine der vielversprechendsten und effektivsten Techniken auf dem Gebiet der interventionellen Kardiologie herausgestellt. Die Studien SCORE, FIM und TAXUS I belegten erstmals die Effektivität eines Paclitaxel- bzw. Sirolimus-beschichteten Stents mit signifikanter Suppression der neointimalen Proliferation und somit konsekutiver Reduktion der Restenose-Entwicklung. Die multizentrischen Studien RAVEL, E-SIRIUS und SIRIUS (Sirolimus), sowie TAXUS II (Paclitaxel) bestätigten anhand großer Patientenkollektive die Effektivität und Sicherheit der in ihnen untersuchten Stentdesigns in der Behandlung von de-novo Läsionen nativer Koronargefäße. Inzwischen sind eine Vielzahl weiterer Wirkstoffe und Stentsysteme in Erprobung. Der komplexe Aufbau eines medikamenten-beschichteten Stents – basierend auf der Trias “Wirkstoff, Wirkstoffträgermechanismus und Stentgerüst – bietet dabei eine Vielzahl von Modifikationsmöglichkeiten. Die bisher zur Verfügung stehenden Daten zeigen, dass das klinische Outcome der Patienten entscheidend beeinflusst wird durch die Eigenschaften des implantierten Stents, insbesondere in Abhängigkeit vom gewählten Wirkstoff sowie des gewählten Trägermechanismus, andererseits sind die zugrunde liegenden Läsions- und Patientencharakteristika ebenso – nach wie vor – von entscheidender Bedeutung. Während heutzutage die Überlegenheit Sirolimus- und Paclitaxel-beschichteter Koronarstents in der Behandlung kurzstreckiger de-novo Läsionen nativer Koronargefäße erwiesen ist, bleibt die Frage der Übertragbarkeit dieser Ergebnisse auf die Behandlung komplexerer Läsionen aufgrund noch fehlender Daten offen. So ist der Nutzen und die Sicherheit medikamenten-beschichteter Stents in der Behandlung sehr kleiner Gefäße, sehr langer Läsionen, Hauptstammläsionen, diffuser in-stent Restenosierungen sowie stenosierter Bypassgefäßen bisher ungeklärt. Dies jedoch sind die Patienten, die am meisten von einer merklichen Prognoseverbesserung profitieren würden. Derzeit durchgeführte “High Risk” Studien (z.B. TAXUS VI, SIRIUS-ISR, DELIVER II) werden letztlich erst eine entgültige Bewertung der Sicherheit und Effizienz dieses neuen Stentdesigns in der Therapie komplexerer Stenosen ermöglichen. Ein multi-modaler, auf dem Zusammenspiel etablierter Techniken (PTCA, konventioneller Stent, Atherektomie, Laser, etc.) beruhender, läsions-spezifischer Therapieansatz stellt hier heutzutage noch eine etablierte und effiziente Therapiealternative dar. Inwieweit dieses individuelle Vorgehen in Zukunft durch einen “single-device Therapieansatz unter nahezu alleiniger Verwendung medikamenten-beschichteter Stents ersetzt werden wird, bleibt abzuwarten. Neben den noch offenen klinischen Fragen, deren Beantwortung - in Anbetracht der Vielzahl derzeit durchgeführter Studien - in naher Zukunft ermöglicht sein wird, bleibt noch die Klärung der Kosteneffizienz und sozioökonomischen Positionierung medikamenten-beschichteter Stents, bevor diese als neue und vielversprechende Technologie in einem breiten Indikationsspektrum als Standardtherapie etabliert werden können.
|