H178 Chirurgische Revaskularisation: Kann das perioperative Trauma reduziert werden?
J.Cremer
Chir. Klinik Klinik f. Herz- u. Gefäßchirurgie Universität zu Kiel, Kiel.

Trotz kontinuierlicher Weiterentwicklung chirurgischer Revaskularisationstechniken in mittlerweile über 30 Jahren ist das perioperative Trauma bei einer konventionellen Bypassoperation neben dem chirurgischen Zugang durch eine Reihe weiterer Faktoren in erheblichem Umfang beeinflusst. Neben der Aktivierung systemischer Inflammationsprozesse durch die extrakorporale Zirkuklation an der Herz-Lungenmaschine, dürfte auch die myokardiale Ischämie beim kardioplegischen Herzstillstand einen unabhängigen Kausalfaktor darstellen.

Vor diesem Hintergrund konnte gerade in den letzten Jahre eine Reihe strategischer Konzepte mit dem Ziel einer Reduzierung des perioperativen Traumas entwickelt werden. Dabei stellen auf der einen Seite direkte chirurgische Aspekte eine separate Konzeptrichtung dar. Beispielsweise haben sich unter verschiedenen minimal-invasiven Techniken Zugangswege wie die anteriore Mini-Thorakotomie oder die partielle Sternotomie durchsetzen können, so dass sie an vielen Institutionen mittlerweile als Standardverfahren etabliert sind. Das direkte chirurgische Trauma bei koronaren Standardbypassoperationen liess sich auch durch minimal-invasive Techniken bei der Entnahme der Vena saphena magna durch modifizierte Zugangswege bzw. auch komplett endoskopische Techniken verringern.

Von weit aus größerer Tragweise ist jedoch die Standardisierung von Operationstechniken am schlagenden Herzen unter Verzicht auf die Herz-Lungenmaschine zur Vorderwandrevaskularisation (MIDCAB-Operation) über eine anteriore Mini-Thorakotomie bzw. Mehrgefäßrevaskularisation (OPCAB-Operation) über eine konventionelle partielle oder komplette Sternotomie. Dabei sind eine effektive Stabilisierung der Herzoberfläche verbunden mit einer chirurgisch adäquaten Exposition der Zielgefäße Voraussetzung für eine erfolgreiche Revaskularisation.

Auch für den mehr konventionellen Ansatz der kompletten chirurgischen Revaskularisation am kardioplegisch still gelegten Herzen führte die Optimierung der Myokardprotektion, beispielsweise durch den Einsatz von Blutkardioplegie zu einer Reduzierung des perioperativen Traumas.

Für die Zukunft werden von umfassenden Modifikationen der Technologie der extrakorporalen Zirkulation neue Impulse zu einer weiteren Verringerung der Invasivität gesehen. Inwieweit automatisierte bzw. maschinell hergestellte Bypassanastomosen hier einen separaten positiven Einfluss ausüben können, auch vielleicht unter Anwendung endoskopischer Konzepte, kann momentan noch nicht zuverlässig bewertet werden.