| H89 | A. radialis und A. gastroepiploica: Bessere als Venengrafts? |
| D.Birnbaum | |
| Klinikum d. Univ. Regensburg Klinik u. Poliklinik f. Herz-, Thorax- u. Gefäßchirurgie, Regensburg. | |
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Arteriellem Gefäßmaterial wird gegenüber dem traditionellen Bypassmaterial aus Vena saphena eine deutlich bessere Funktions- und Haltbarkeit zugesprochen. Dies ist für die A. thoracica interna heute belegt, weshalb bei bis zu 90% der Patienten, die sich einer koronaren Bypassoperation unterziehen, mindestens die linke A. thoracica interna verwendet wird und zwar auf das im Hinblick auf die Koronarangioarchitektur besonders wichtige Vorderwandgefäß. Die langfristig bessere Haltbarkeit des Arterienbypass' im Vergleich zum venösen Material einerseits, die nach dem 8. Jahr postoperativ zunehmende Sterbequote der Bypasspatienten gegenüber konservativ behandelten Koronarkranken andererseits haben Überlegungen stimuliert, arterielle Gefäße grundsätzlich als die besseren Alternativen zum Venenmaterial zu evaluieren. Obwohl die Anwendung der A. radialis wie auch der rechten A. gastroepiploica und der inferioren epigastrischen Arterie schon seit vielen Jahren in einzelnen Zentren praktiziert wird, ist der Ruf nach der Erweiterung der arteriellen Revaskularisation neben den Brustwandarterien in das Zentrum der Diskussion geraten. Vor allem in der asiatischen Literatur sind die Bemühungen um die abdominellen Gefäße ausgeprägt. Die A. radialis ist nach Prüfung des funktionierenden arteriellen Hohlhandbogens für den Patienten ohne Nachteil. Dem gegenüber sind die abdominellen Gefäße mit einer zweiten Eröffnung einer Körperhöhle verbunden und sie erfordern als in-situ-Bypass z. T. komplizierte anatomische Verlagerungen. Arterielles Bypassmaterial kann als Autotransplantat oder als gestieltes Transplantat Verwendung finden. Im letzteren Falle ist die Ernährung des Gefäßes durch die Vasa vasora mit den abfließenden Begleitvenen und den Lymphgefäßen gesichert, worauf möglicherweise die bessere Langzeitoffenheitsrate beruht. Eine wissenschaftlich begründete Klarstellung der Vorteile des Autotransplantates gegenüber dem gestielten Gefäßtransplantat ist bislang nicht erfolgt. Der operative Aufwand bei der Anwendung abdomineller Gefäße (Gastroepiploica, Epigastrica inferior) ist unvergleichlich viel größer als die Gewinnung einer Arteria radialis wie auch die postoperativen Verläufe oder später nachfolgende abdominelle Operationen problembehaftet sein können. Nach Einzelfallberichten zu beurteilen ist die Offenheitsrate früh- und mittelfristig der A. radialis nicht so hoch wie die der in situ belassenen A. thoracica interna und die Offenheitsrate der A. gastroepiploica ist niedriger als die des A. radialis - Bypass'. 10 - 20 Jahre zurück waren die degenerativen Phänomene am Venenbypassmaterial voller Sorge beobachtet worden, daß in den folgenden Jahren eine Kumulation von erneut zu operierenden Patienten auftreten würde. Interessanterweise hat sich dieses nicht bestätigt, vielmehr ist im Verlauf des letzten Jahrzehnts das Kontingent der Reoperationen bei koronaren Bypassoperationen mit 6,5 - 7,3 % pro Jahr konstant geblieben. Die Frage, ob die Qualität des zum Operationszeitpunkt verwendeten Venenmaterials mit der Entwicklung/dem Ausbleiben von degenerativen Phänomenen in Beziehung zu setzen ist, ist offen. Bei derzeit rund 70 000 Patienten, die sich jährlich einer Bypassoperation in Deutschland unterziehen, ist die Zahl der ausschließlich arteriell revaskularisierten Patienten verschwindend klein, welches auch dem internationalen Spiegel entspricht. Arterielles Bypassmaterial ist limitiert. Damit dürfte die chirurgisch stets anzustrebende sog. “komplette” Revaskularisation des Koronarsystems nicht so leicht erzielbar sein wie in Kombination mit dem abundanten Saphenamaterial. Die ausschließlich arterielle Revaskularisation ist ein über den Gebrauch der A. thoracica interna hinaus gehendes Verfahren, welches nach Einzelfallberichten der gemischten Revaskularisation im operativen und frühpostoperativen Verlauf nicht unterlegen ist. Es bleibt abzuwarten, ob im langfristigen Verlauf der arterielle Bypass sich als besser erweist. |