H86 Neurostimulation bei therapierefraktärer Angina: das letzte Alternativverfahren?
S.Eckert
Kardiologische Klinik, Herz- und Diabeteszentrum NRW, Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum, Bad Oeynhausen.

Die Therapie der symptomatischen koronaren Herzkrankheit verbessert häufig die Prognose der Patienten und führt in aller Regel zur Beschwerdefreiheit. Trotz des differenzierten Einsatzes der medikamentösen und interventionellen Therapieoptionen leiden einige Patienten an einer hochsymptomatischen, therapierefraktären Angina pectoris. Als mögliche Alternativverfahren stehen für diese Patienten zur Verfügung: Die chronische- intermittierende Urokinasetherapie, LDL-Aphereseverfahren, percutane, transmyokardiale Laserrevaskularisation und die Neurostimulation.

In Lokalanästhesie wird in Bauchlage des Patienten zwischen thorakalem Wirbelkörper 6-8 der Periduralraum punktiert und unter Röntgensicht eine 4-8 poolige Stimulationselektrode epidural zwischen C 7 und Th 2 so plaziert, dass durch Stimulation provozierte Parästhesien den Ausstrahlungsgebieten der Angina pectoris entsprechen (Spinal Cord Stimulation, SCS).

Üblicherweise wird nach einer Testphase von ca. vier Tagen die Elektrode verlängert und das Aggregat subcutan in den linken Oberbauch plaziert, da 10-20% der Patienten Non-Responser sind. Die Patienten können bedarfsweise das Aggregat einstellen und die Stimulationsintensität regeln.

In randomisierten Studien konnte durch SCS eine signifikante Reduktion der Angina pectoris und eine Verbesserung an Lebensqualität erzielt werden. Die Neurostimulation wird zur Therapie der therapierefraktären Angina pectoris empfohlen (ESC Joint Study Group on the Treatment of Refractory Angina, Härtegrad A). Im direkten Vergleich zur aortokoronaren Bypassoperation konnte mit SCS keine signifikanten Unterschiede in der Verbesserung der Lebensqualität bei Patienten mit therapierefraktärer Angina pectoris nach fünf Jahren festgestellt werden (ESBY, Electrical Stimulation versus Coronary Artery Surgery in Severe Angina Pectoris). Das Risiko anhaltender stummer Ischämien oder Myokardinfarkten ist unter SCS nicht erhöht. Verschiedene Studien zeigen, dass typische Infarktsymptome durch die Neurostimulation auch bei Anhebung der Stimulationsintensität nicht reduziert werden können.

In kleineren Studien konnte unter SCS eine Zunahme der Myokardperfusion festgestellt werden. Als mögliche Effekte werden durch zunehmende körperliche Aktivitäten bei reduzierter Angina und durch Neuromodulationen mit der Neurostimulation eine positive Beeinflussung der unterstellten Endotheldysfunktion und eine hierdurch bedingte Verbesserung der Mikrozirkulation diskutiert.

Die Neurostimualtion kann Patienten mit therapierefraktärer Angina pectoris als eine sichere, weinig belastende Behandlungsalternative angeboten werden.