H85 Resynchronisationstherapie: Was spricht für die Kombination mit einem ICD?
M.Borggrefe, R.Schimpf, Chr.Wolpert
I. Med. Klinik, Universitätsklinikum Mannheim, Mannheim.

Eine Indikation für eine biventrikuläre Stimulation wird aktuell bei Patienten mit schwerer Herzinsuffizienz mit dem klinischen Stadium NYHA III und NYHA IV nach Ausschöpfung der konservativ-medikamentösen Therapie, intraventrikulärer Leitungsstörung mit einer QRS- Verbreiterung vom Linksschenkelblocktyp ≥130 ms und einer reduzierten linksventrikulären Ejektionsfraktion ≤ 35 % gesehen.

Die Frage einer Kombinationstherapie Resynchronisation mit ICD betrifft im weiteren das spezifische Risiko einer malignen Arrhythmie dieses Subkollektivs herzinsuffizienter Patienten und ob die biventrikuläre Stimulation möglicherweise eine zusätzliche proarrhythmogene Wirkung beinhaltet und die Patienten damit von einem ICD profitieren würden.

Der plötzliche Herztod auf dem Boden einer malignen Tachyarrhythmie ist derzeit für ca. 30 – 50 % der Todesfälle von Patienten mit Herzinsuffizienz verantwortlich. Die klinische Grunderkrankung der Herzinsuffizienz bei dieser neuen Therapieform betrifft überwiegend die koronare Herzerkrankung und mit > 50 % der aktuellen Implantationen die dilatative Kardiomyopathie. In den großen Postinfarktstudien (MADIT I, MUSTT) mit Nachweis einer Reduktion der Gesamtletalität durch den ICD waren ca. die Hälfte herzinsuffiziente Patienten. Von diesen Daten ausgehend wird eine zusätzliche Indikation für einen ICD in ca. 30 % der Patienten mit Herzinsuffizienz gesehen. In der MADIT-II Studie wiesen Postinfarkt-Patienten mit einer Herzinsuffizienz und zusätzlich einem verbreitertem QRS Komplex einen additiven Trend zu einem noch größeren Überlebensvorteil mit ICD auf.

Bei Patienten mit einer dilatativen Kardiomyopathie und Herzinsuffizienz konnte in den bisher vorliegenden Studien kein eindeutiger Überlebensvorteil nachgewiesen werden. Zwei wichtige derzeit noch laufende Studien, die u.a. dieser Frage nachgehen sind die DEFINITE Studie (Sudden Cardiac Death in Heart Failure Trial) and SCD-Heft (Sudden Cardiac Death in Heart Failure Trial).

Die Daten der bisherigen Studien mit biventrikulärer Stimulation bei Herzinsuffizienz deuten allerdings daraufhin, dass trotz Resynchronisation das Risiko am plötzlichen Herztod zu versterben weiterhin hoch ist mit einem Anteil von ca. 50 % der Gesamtmortalität. In der InSync Studie war die 12 Monats Überlebensrate 78 % mit einem Anteil von 47 % plötzlicher Herztode der Verstorbenen. Das italienische InSync-Register beobachtete bei einer 10- Monats Mortalität von 190 Patienten 38 % plötzliche Herztode. Die 1-Jahres Verlaufsdaten der MUSTIC-Studie konnten kürzlich einen Anstieg der Mortalitätsrate auf 18 % mit 40 % plötzlichen Todesfällen aller Patienten (n=131) zeigen.

Schließlich zeigen die ersten Daten der COMPANION-Studie mit einem großen Patientenkollektiv (n=1520), die vorzeitig abgebrochen wurde, zunächst einen Reduktion der Gesamtmortalität bei Patienten mit Herzinsuffizienz Stadium NYHA III, QRS Breite ≥ 120 ms mit Resynchronisationstherapie um 24 %. Eine zusätzliche Therapie mit einem ICD konnte eine weitere Reduktion auf 43 % im Vergleich zum medikamentös optimiert eingestellten Vergleichskollektiv erreichen.

Zusammenfassend deuten die aktuellen Daten daraufhin, dass Patienten mit schwerer Herzinsuffizienz und Indikation zur Resynchronisationstherapie durch eine additive Versorgung mit einem ICD System einen zusätzlichen Überlebensvorteil haben.