H79 Faktor-Xa-Antagonisten.
T.Hohlfeld
Institut f. Pharmakologie Universität Düsseldorf, Düsseldorf.

Während die antithrombotische Wirkung konventioneller Antikoagulanzien (Heparine, Kumarine) allenfalls partiell auf einer Hemmung von Faktor Xa (FXa) beruht, sind selektive FXa-Hemmstoffe erst neuerdings verfügbar. Im Gegensatz zu den Thrombininhibitoren (z.B. Hirudin) hemmen diese ausschließlich die Bildung von Thrombin und nicht dessen Wirkung. Ob sich daraus prinzipielle Unterschiede in der klinischen Nutzen/Risikorelation im Vergleich mit Thrombininhibitoren ableiten lassen, bleibt unsicher. Indirekte und direkte FXa-Inhibitoren sind zu unterscheiden. Das synthetische Pentasaccharid Fondaparinux hemmt FXa indirekt infolge Aktivierung von Antithrombin (AT) III, wobei die kurze Saccharidstruktur keine ATIII-abhängige Thrombinhemmung (wie bei den Heparinen) zulässt. Günstig sind die reproduzierbaren pharmakokinetischen Eigenschaften, keine Wechselwirkung mit Plättchenfaktor 4 und offenbar auch keine Induktion von HIT-2. Im Vergleich mit niedermolekularen Heparinen (NMH) wurde eine verringerte Inzidenz venöser Thrombosen im Rahmen der orthopädisch-chirurgischen Thromboseprävention gezeigt, bei anderen Indikationen (akutes Koronarsyndrom, Therapie venöser Thrombosen) mit NMH vergleichbare Ergebnisse. Derivate (z.B. Idraparinux) haben eine höhere Affinität zu ATIII und verlängerte Wirkdauer (Wochen). Direkte FXa-Inhibitoren wirken unabhängig von ATIII. Hierzu gehören neben Peptiden (tick anticoagulant peptide, Antistasin) verschiedene niedermolekulare Sustanzen (DX-9095a, FXV-673, M-55551, RPR-130737), z.T. mit oraler Bioverfügbarkeit (Bay-59-7939, CI-1031, DPC-423, RPR-208815, YM-60828). Diese befinden sich in unterschiedlichen Stadien der klinischen Prüfung. Über die Hämostase hinausgehende Wirkungen sind noch Gegenstand präklinischer Forschung. Wie alle Antithrombotika können FXa-Antagonisten zu relevanten hämorrhagischen Komplikationen führen, so dass die pharmakokinetischen Eigenschaften und potentielle Interaktionen mit anderen Pharmaka für die Therapiesicherheit entscheidend sein werden. Weitere Risiken könnten sich aus der Bedeutung von FX für die Embryonalentwicklung und immunologische Mechanismen ergeben.