P415 Postoperative Risikostratifizierung für herzchirurgische Intensivpatienten.
1K.Hekmat, 1A.Kröner, 1I.Kobrosli, 2H.Stützer, 1U.Mehlhorn, 3R.Schwinger, 4S.Kampe, 2W.Lehmacher, 1E.de Vivie
1Klinik und Poliklinik für Herz- und Thoraxchirurgie der Universität zu Köln, Köln; 2Institut für Medizinische Statistik, Informatik und Epidemiologie der Universität zu Köln, Köln; 3Klinik und Poliklinik für Kardiologie der Universität zu Köln, Köln; 4Klinik für Anästhesie und operative Intensivmedizin der Universität zu Köln, Köln.

Fragestellung: Obwohl intensivmedizische Scoresysteme seit über 25 Jahren existieren, werden herzchirurgische Patienten immer noch nicht adäquat erfasst. Das Ziel dieser prospektiven Studie war die Entwicklung und Validierung eines neuen herzchirurgiespezifischen Scoresystems.

Patienten und Methoden: Es wurden alle konsekutiven Patienten nach herzchirurgischen Eingriffen über einen Zeitraum von 3 Jahren täglich einer Evaluation von postoperativen Variablen unterzogen. Zum Vergleich wurde eine serielle Erfassung des APACHE II, SAPS II, MPM, ICU, TISS und MODS durchgeführt. Die Güte der Scores wurde mit Hilfe der multivariaten logistischen Regression, der ROC-Analyse und der Cox-Regressionsanalyse bestimmt. Die Lebensqualität der Patienten aus den beiden ersten Jahren wurde mittels des SF-36-Fragebogens 2 Jahre postoperativ erfasst.

Ergebnisse: Insgesamt wurden 3285 Patienten auf der Intensivstation aufgenommen. Die ROC-Analyse der ersten 5 postoperativen Tage zeigte eine sehr gute Diskriminationsfähigkeit (ROC-Werte: 0,82 - 0,96) des neuen Scoresystems bezüglich Letalität, welches von keinem intensivmedizinischem Scoresystem erreicht werden konnte. Der neue Score zeigte eine hohe Korrelation (r-Werte bis 0,9) zu den Variablen des SF-36.

Schlußfolgerung: Der neue Score könnte für die tägliche Risikostratifizierung, Qualitätssicherung und Therapiekontrolle auf herzchirurgischen Intensivstationen sinnvoll sein. Außerdem zeigte der Score eine gute Vorhersagekraft zumindest für die mittelfristige postoperative Lebensqualität der Patienten.