| P147 | Prähospitale Gabe des GPIIb/IIIa-Inhibitors Tirofiban bei geplanter perkutaner Katheterintervention im Vergleich zur Fibrinolyse bei Patienten mit akutem ST-Hebungs-Myokardinfarkt (STEMI). |
| 1S.Strohm, 1J.Vollert, 1Y.Kühnle, 2L.Nibbe, 1R.Dietz, 1W.Bocksch, 1M.Möckel | |
| 1Charité - Campus Virchow-Klinikum - Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Kardiologie, Berlin; 2Charité - Campus Virchow-Klinikum - Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Nephrologie & Internistische Intensivmedizin, Berlin. | |
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Hintergrund: Aktuelle Daten belegen, daß eine perkutane Katheterintervention (PCI) der Thrombolyse bei akutem Myokardinfarkt überlegen ist. Bisher ist jedoch ungeklärt, ob prähospitale Lyse oder GPIIb/IIIa-Inhibition eine nachfolgende akute Koronarintervention erleichtern. Ziele: Wir evaluierten die prähospitale Anwendung von Tirofiban beim STEMI mit geplanter PCI im Vergleich zu Patienten mit prähospitaler Lyse, die binnen 24 Stunden auch invasiv untersucht wurden. Methoden und Patienten: 69 Patienten wurden analysiert, 41 erhielten Tirofiban (60,3 ± 11,6 Jahre; 63% männlich), 28 Patienten wurden fibrinolysiert (32% Tenecteplase, 54% Reteplase, 11% Alteplase, 4% Streptokinase; 57,5 ± 12,1 Jahre; 82% männlich). Ausgewertet wurden der TIMI-Fluß vor PCI, Interventionserfolg, Blutungskomplikationen sowie Langzeit Follow up für MACE (im Mittel 257 Tage; MACE: Tod, Re-Infarkt mit Krankenhausaufnahme, Schlaganfall). Die Katheterfilme wurden durch einen Untersucher erneut analysiert, der bezüglich der prähospitalen Therapie geblindet war. Ergebnisse: Die Zeit zwischen prähospitaler Therapieeinleitung und Herzkatheter betrug im Mittel 1,3 Stunden in der Tirofibangruppe gegenüber 2,9 Stunden in der Lysegruppe (p<0,001); 7,3% der Tirofiban- und 3,6% der Lysepatienten boten eine Schocksymptomatik. TIMI III Fluß vor PCI wurde unter Tirofiban bei 17,5%, nach Thrombolyse bei 54,2% beobachtet (p<0,001). TIMI III Fluß nach PCI wurde unter Tirofiban bei 90%, nach Lyse bei 95,8% erreicht (p = n.s.). Sichtbare Thromben konnten unter Tirofiban bei 33%, nach Lyse bei 20,8% beobachtet werden (p = n.s.). Eine schwere Blutung trat unter Tirofiban auf (fatale Lungenblutung nach zusätzlicher Abciximab-Therapie), 2 Patienten erhielten Bluttransfusionen. In der Lysegruppe traten zwei intrakranielle Blutungen mit bleibendem neurologischen Defizit auf, fünf Patienten erhielten Transfusionen, bei drei beatmungspflichtigen Patienten wurde eine bronchiale/pulmonale Hämorrhagie beobachtet. In der Tirofibangruppe wurden keine lokalen Komplikationen beobachtet, in der Lysegruppe ein Aneurysma spurium. Im Langzeit-Follow up wurde der primäre Endpunkt in der Tirofibangruppe bei 5,3% erreicht, in der Lysegruppe bei 22,4% (p = 0,04). In der Tirofibangruppe starben 2 Patienten, in der Lysegruppe 6 Patienten. Schlußfolgerung: Die prähospitale Applikation von Tirofiban vor PCI beim STEMI ist sicher und effektiv. Fibrinolysetherapie führt zu einer signifikant höheren Offenheitsrate der Infarktgefäße vor Katheterintervention. Der Interventionserfolg war in beiden Gruppen hoch. Unter Fibrinolyse traten jedoch häufiger schwerwiegende Blutungskomplikationen und MACE im Follow up auf. |