P113 Neue Möglichkeiten des Patientenmonitorings mit dem Tele-EKG.
1S.Sack, 2R.Funck, 3A.V.Hehn, 3A.Krukenberg, 3J.Straßburg
1Universitätsklinikum Essen, Essen; 2Universitätsklinikum Marburg, Marburg; 3MediCenter Magdeburg, Magdeburg.

Hintergrund: Telemedizin hat eine Schlüsselfunktion für das Gesundheitssystem der Zukunft. Drei wesentliche Faktoren haben dazu beigetragen: 1. Die Verfügbarkeit von Geräten zur Aufzeichnung und Übertragung von Biosignalen und biochemischen Parametern, 2. das Bedürfnis chronisch Kranker nach mehr Flexibilität und Mobilität und 3. die Fortschritte in der schnellen Datenübertragung. Mit der Entwicklung des Cardiophone wurden die technischen Möglichkeiten realisiert und dem Bedürfnis der Patienten Rechnung getragen. Das Cardiophone funktioniert auf der Basis eines GSM-Mobilfunktelefons (Dual Band 900/1800 MHz)mit drei zusätzlichen Eigenschaften: Elektroden auf der Gehäuserückseite zur Aufzeichnung eines Elektrokardiogramms (EKG), integriertes Modul zur Positionsbestimmung mit dem Satellitennavigationssystem (GPS) und eine Notruftaste mit Direktwahl zum 24h-MediCenter.

Ergebnisse: Im Zeitraum von 12 Monaten (1. Oktober 2001 bis 30. September 2002) wurden von 288 Nutzern des Cardiophone 12.871 Anrufe zum 24h-MediCenter durchgeführt. Die Anrufer werden in der Server-Datenbank automatisch erkannt. Im Rahmen dieser Anrufe wurden 12.941 EKGs übertragen, die von Ärzten des 24h-MediCenter direkt am Monitor ausgewertet wurden. Nach der EKG-Auswertung wird der Befund und die geschilderte Symptomatik zwischen Patient und MediCenter-Arzt besprochen. Die Auswertbarkeit der EKGs lag im Durchschnitt bei 90,6% und verteilte sich im Tagesverlauf wie folgt:22.00 - 05.00 Uhr: 95,5%, 05.00 - 15.00 Uhr: 88,5%, 15.00 - 22.00 Uhr: 89,4%. Das Anrufverhalten unterlag keiner circadianen Rhythmik. Bei 1072 Anrufen im Monat betrug die Anruffrequenz 3,7 pro Patient und Monat. Mit dem GPS-Modul gelang die Ortung im Freien bis auf 15m genau. Im Kartenmaterial des Geographischen Informationssystems (GIS) wird zusätzlich die Adresse der nächstgelegenen Rettungsleitstelle angegeben, assoziiert zur aktuellen Position des Nutzers.

Schlußfolgerung: Der Einsatz des Cardiophones(R) ermöglicht jederzeit die Kontaktaufnahme zu einem mit Ärzten besetzten 24h-MediCenter. Die Anruferkennung erfolgt automatisch. EKG-Daten können übertragen und zu 91% analysiert werden. Die GPS-Ortung erhöht die Mobilität des Herzpatienten im Freien.