P293 Risikostratifizierung bei Koronarer Herzkrankheit – Bedeutung der traditionellen Risikofaktoren und der Mehrschicht-Computer-Tomographie des Herzens.
1V.Veth, 1J.Brunn, 1F.Gietzen, 2S.Fröhner, 2R.Schmitt, 2O.Cherevatyy, 1H.Naser, 1B.Schumacher, 1S.Kerber
1Herz- und Gefäß-Klinik, Fachbereich Kardiologie, Bad Neustadt/Saale; 2Herz- und Gefäß-Klinik, Radiologisches Institut, Bad Neustadt/Saale.

Hintergrund: Bisher wird die Risikostratifizierung für das Vorliegen einer Koronaren Herzerkrankung (KHK) mit multiplen Risikofaktoren (RF) vorgenommen. Hierdurch gelingt eine Einteilung der Patienten (Pat) in solche mit einem hohen Risiko (R) (ca. 25%), die einer Prävention bedürfen, und solche mit einem niedrigen R (ca. 35%), die keiner Prävention bedürfen. Die übrigen 40% mit intermediärem R würden von einer weiteren Stratifizierung mittels Mehrschicht-Computer-Tomographie (MSCT) profitieren, da der Nutzen einer Prävention in diesem Kollektiv unklar ist.

Methoden: 345 Pat mit atypischer Angina pectoris wurden mittels MSCT (Kalzium-Score (KS) und CT-Angiographie (CTA)) untersucht. Das Risikoprofil wurde zunächst anhand der anerkannten kardiovaskulären RF ermittelt und konsekutiv mittels KS weiter stratifiziert.

Ergebnisse: Nach traditionellen RF gehörten 33 Pat (9,8%) zur Niedrig-Risikogruppe, 142 Pat (43,3) zur intermediären Risikogruppe und 161 Pat (47,9%) zur Hoch-Risikogruppe. Pat mit niedrigem oder intermediärem R wiesen einen niedrigeren mittleren KS (82,6 bzw. 89,6) auf als Pat mit hohem R (251,4). 7 Pat mit niedrigem R und 26 Pat mit intermediärem R hatten einen KS von > 80 (9,6% der Studienpopulation) und hatten daher ein hohes R für koronare Ereignisse. 94 der 345 Pat mit auffälligem MSCT unterzogen sich einer Koronarangiographie, bei 44 Pat fanden sich bedeutsame Stenosen. Das R einer stenosierenden KHK betrug 6,1% bei Niedrig-R-Pat, 8,4% bei Pat mit intermediärem R und 18,0% bei Patienten mit hohem R. Pat mit einem KS von < 80 hatten ein R für eine KHK von 4%, Pat mit einem KS von > 80 von 32,0%.

Schlussfolgerung: 1. Beim KS diskriminierte in unserem Patientenkollektiv ein Cut-off von 80 die Pat mit einem niedrigen und einem hohen R für eine stenosierende KHK. 2. Der KS ermöglicht eine weitere Zuordnung der Pat mit intermediärem R in die Hoch- oder Niedrig-Risikogruppe. Er ermöglicht somit die Etablierung eines weiteren Kriteriums bei der Entscheidung hinsichtlich der Notwendigkeit einer Primärprävention.