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Electric smog: S-ICD-Schocks nach LVAD Implantation

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Dr. Tobias Pfeffer, Hannover

Bei einem 42-jährigen Mann wurde aufgrund einer schwer reduzierten linksventrikulären Funktion auf dem Boden einer nicht-ischämischen-Kardiomyopathie, die Indikation zur primärprophylaktischen Implantation eines Kardioverter-Defibrillators (ICD) gestellt. Nachdem unter Verwendung des vom Hersteller bereitgestellten Screening-Tools geeignete Wahrnehmungsvektoren dokumentiert wurden, erfolgte im November 2015 die Implantation eines subkutanen ICDs (S-ICD, EMBLEM, Boston Scientific, Marlborough, MA, USA) mit einer links parasternal getunnelten Elektrode.

Aufgrund rezidivierender kardialer Dekompensationen und einer progredienten Herzinsuffizienzsymptomatik (NYHA IV) wurde der Patient im Dezember 2015 in der Medizinischen Hochschule Hannover zur LVAD-Evaluation stationär aufgenommen. Nach sorgfältiger Evaluation wurde ein Linksherzunterstützungssystem (LVAD, HeartMate 3, Thoratec, Pleasanton, CA, USA) implantiert.

Einige Stunden nach erfolgter LVAD-Implantation gab der S-ICD innerhalb kurzer Zeit 31 Schocks ab. In einer daraufhin durchgeführten S-ICD-Abfrage zeigte sich zum Zeitpunkt aller Schockabgaben ein normofrequenter Sinusrhythmus. Der S-ICD wurde umgehend deaktiviert. Weiterhin zeigte sich in der Abfrage eine verminderte R-Wellen-Amplitude, welche von einem elektromagnetischen Störsignal überlagert wurde. Die Wahrnehmung dieses elektromagnetischen Störsignals stellte die Ursache der inadäquaten S-ICD Schocks dar (Abb. 1).

Alle drei verfügbaren Wahrnehmungsvektoren wurden daraufhin erneut auf eine adäquate Wahrnehmung und Differenzierung von R-Welle und T-Welle getestet. In keiner Programmierung konnte der S-ICD zwischen R-Welle und T-Welle differenzieren. Sogar Vorhofflatterwellen wurden vom S-ICD als R-Welle wahrgenommen (Abb. 2).

Auch eine Wiederholung der Analyse von QRS- und T-Wellen-Morphologie im Oberflächen-EKG bestätigte, dass eine suffiziente Differenzierung zwischen R-Welle und T-Welle durch den S-ICD nicht mehr möglich war. Durch die nun deutlich veränderte QRS-Morphologie ließ sich unter erneuter Verwendung des Screening-Tools kein geeigneter Wahrnehmungsvektor darstellen (Abb. 3). Die Deaktivierung des S-ICD blieb daher bestehen.

Nach vollständiger Rehabilitation des Patienten wurde der S-ICD explantiert und ein konventionelles, transvenöses Einkammersystem implantiert. In der weiteren Nachsorge zeigte sich bislang eine regelrechte Aggregatfunktion, ohne erneute inadäquate ICD-Therapien.

Dieser Fall zeigt zum ersten Mal inadäquate S-ICD Schocks aufgrund von Veränderungen in der R-Wellen-Morphologie und elektromagnetischer Interferenz nach erfolgter LVAD-Implantation.

Aufgrund unserer Erfahrung empfehlen wir die Deaktivierung des S-ICD vor LVAD-Implantation. Nach erfolgter LVAD-Implantation und vor einer eventuellen Reaktivierung der Tachytherapien des S-ICD sollten alle Wahrnehmungsvektoren im Hinblick auf ein adäquates Wahrnehmungsverhalten und eine korrekte Differenzierung von R- und T-Welle reevaluiert werden.

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