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Diagnose von Diabetes nach akutem Koronarsyndrom beeinflusst die Lipidtherapie nicht – Ergebnisse der Dyslipidemia II (DYSIS II) ACS Studie

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Dr. Dominik Lautsch, Wien

Hintergrund
Patienten nach einem akuten Koronarsyndrom (ACS) und gleichzeitigem Vorliegen von Diabetes mellitus haben ein sehr hohes Risiko für weitere kardiovaskuläre Komplikationen, inklusive dem Wiederauftreten eines Myokardinfarkts, beziehungsweise akuten Koronarsyndrom insgesamt. Die vorliegenden ESC Leilinien zur kardiovaskulären Risikoprävention 2016 und 2012, wie auch jene zum Non-ST-Hebungs ACS empfehlen den LDL-Cholesterin Grenzwert von <70 mg/dl.

Wir haben anhand rezenter, internationaler Daten evaluiert, ob das Vorliegen von Diabetes mellitus die Lipidtherapie nach ACS beeinflusst.

DYSIS II ACS ist eine prospektive Beobachtungsstudie an Patienten in der Akutphase und einer Nachbeobachtung von 120 Tagen. Die vorliegenden Daten stammen aus der von Mai 2013 bis Oktober 2014 eingeschlossenen Kohorte. Eingeschlossen wurden Patienten, die aufgrund ACS hospitalisiert wurden, ein volles Lipidprofil innerhalb der ersten 24 Stunden erhielten, für ≥3 Monate lipidsenkende Therapie oder gar keine Lipidsenker erhalten haben, nicht in klinischen Studien, die Lipidsenker untersuchten involviert waren und nicht während der Hospitalisierung verstorben sind. Nach 4 Monaten wurde ein Follow up Interview durchgeführt. Die Patientenanamnese inklusive einer möglichen Diabetes Diagnose wurde während des Einschlusses der Patienten durchgeführt.

3855 Patienten konnten eingeschlossen werden. Das durchschnittliche Alter lag bei 62,3±12,1 Jahren. 76,4% waren Männer, 36.9% litten an Diabetes mellitus.

Tabelle 1: Anamnese und Baseline Charakteristika der Patienten
Alter (Jahre, Mittelwert 63,9±10,9 61,5±12,7 <0,0001
Maenner 71,1% 79,2% <0,0001
BMI >30 kg/m2 29,2% 19,5% <0,0001
Koronare Herzerkrankung (KHK) 47,5% 35,9% <0,0001
Hypertension 79,2% 58,3% <0,0001
Vorangegangener Myocardinfarkt 25,9% 20,5% <0,001
Family History fuer KHK 23,7% 26,9% <0,05
Sedentaerer Lebensstil 49,7% 41,7% <0,0001
Chronische Nierenerkrankung 11,0% 4,6% <0,0001
Raucher 20,3% 30,9% <0,0001
 

Typ des Akuten Koronarsyndroms

STEMI/LBBB (ST-Hebungsinfarkt und Linksschenkelblock) 32,9% 41,4% <0,0001
NSTEMI 38,4% 34,0% <0,01
Instabile Angina Pectoris 28,7% 24,6% <0,01

 

Bei Einschluss in die Studie in der Akutphase erreichten 23.8% jener Patienten mit Diabetes das LDL-Cholesterin Therapieziel <70 mg/dl, allerdings nur 16,0% der Patienten ohne Diabetes mellitus (p<0.0001).

Die mediane Distanz zum LDL-Cholesterin Zielwert (distance to target) betrug 38 (16, 66) mg/dl bei Patienten mit Diabetes und 48 (24, 77) mg/dl bei Patienten ohne Diabetes. (p<0.0001). Etwa 91% der Patienten hatten 4 Monats Follow up Daten vorliegen, wobei ähnlich wie bei Einschluss Diabetes mellitus bei 37,5% lag. Unter jenen Patienten, erreichten 38,8% der Patienten den LDL-Cholesterin Zielwert, während nur 28,1% der Patienten ohne Diabetes mellitus diesen erreichten (p<0.001). Somit kann bei beiden Patientengruppen durch Intensivierung der Lipidtherapie eine Verbesserung in der Zielwerterreichung um 12, beziehungsweise 15% festgestellt werden. Hinsichtlich der Distanz zum Therapieziel waren beide Gruppen vergleichbar: 21.5 (9.0, 42.0) mg/dl für Patienten mit Diabetes und 21.0 (6.0, 37.0) mg/dl für jene ohne Diabetes (p=0.16).

Tabelle 1 zeigt, dass in der Behandlung von post-ACS Patienten mit oder ohne Diabetes kein Unterschied gemacht wurde.

 

Tabelle 2: Lipidtherapie 4 Monate nach ACS
Patienten mit Diabetes, n=1231 Patienten ohne Diabetes, n=2071 p Wert
Atorvastatin Aequivalent Dosis 33 ± 20 33 ± 22 <0.05
Statin Monotherapie 85,5% 87,2% n.s.
Statin + Ezetimib 5,0% 5,0% n.s.
Statin + anderer Lipidsenker exkl. Ezetimib 4,2% 3,2% n.s.
Nicht-Statin Monotherapie 0,5% 0,4% n.s.
Keine Lipidtherapie 4,8% 4,2% n.s.

Zusammenfassung
Gleichzeitig mit dem akuten Koronarsyndrom vorliegender Diabetes mellitus hatte keinen Einfluss auf die gewählte Lipidtherapie. Die niedrigeren LDL-Cholesterinwerte und die damit verbundene bessere Zielwerterreichung bei Patienten mit Diabetes sind daher auf das veränderte Lipidprofil (kleinere Partikel bei gleicher Anzahl, daher verringerte Masse) zurückzuführen.

Die LDL-Cholesterin Zielwerterreichung war in beiden Gruppen niedrig, wobei sowohl hinsichtlich Statindosis, als auch Kombinationstherapie (90% hatten keine lipidsenkende Kombinationstherapie) Verbesserungen möglich sind.

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