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Neue Studien: Übergewichtige Kinder haben hohes Herzrisiko – Lebensstil-Programme in der Schule wirken

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Rom/München/Nürnberg/Porto Alegre, 28. August 2016 – Übergewicht und Adipositas haben bereits bei Kindern und Jugendlichen starke negative Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-Risiko. Das zeigt die großangelegte deutsche PEP Family Heart Study, die auf dem Europäischen Kardiologiekongress (ESC) in Rom präsentiert wurde. So hatten in der Gruppe der übergewichtigen Kinder und Jugendlichen doppelt so viel Bluthochdruck im Vergleich zu ihren normalgewichtigen Altersgenossen, auch ihre Blutfettwerte waren deutlich ungünstiger.

Untersucht wurden insgesamt 22.051 Kinder und Jugendliche im Alter von 3 bis 18 Jahren, die an der PEP Family Heart Study teilgenommen hatten. Bei 10.841 konnten Größe, Gewicht, Hautfaltendicke, Körperfett, Taillenumfang, Blutdruck und Serum-Lipide vollständig gemessen werden. Das Vorhandensein von Risikofaktoren stieg bei männlichen wie weiblichen Jugendlichen in Abhängigkeit des Grades der Adipositas an, je höher desto stärker. So hatten etwa die Mädchen in der Gruppe mit dem höchsten BMI ein 17fach höheres Hochdruck-Risiko als in der Gruppe mit dem niedrigsten BMI, bei den Jungen war das Risiko in der höchsten BMI-Gruppe vierfach erhöht. Bei den Triglyceridwerten zeigten sich ähnliche Verhältnisse.

„Damit ist deutlich geworden, dass extremes Übergewicht erheblicher Aufmerksamkeit bedarf“, so Studien-Erstautorin Gerda-Maria Haas, MPH, vom Arteriosklerose-Präventions-Institut München. „Das ist schon deshalb von Bedeutung, weil im Gegensatz zu Übergewicht und einfacher Adipositas, die eher zurückgehen, ausgeprägte Adipositas in den westlichen Ländern erheblich zunimmt.“

Wirksames Programm gegen kindliches Übergewicht

Ein einfaches und wirksames Schul-Programm gegen kindliches Übergewicht präsentierte beim ESC-Kongress die Ernährungswissenschaftlerin Daniela Schneid Schuh (Porto Alegre, Brasilien). „Healthy School, Happy School“ heißt die randomisierte, kontrollierte Studie, die im südbrasilianischen Feliz durchgeführt wurde. Die kleine Stadt ist vor allem stark durch deutsche Immigration geprägt und hat einen im landesweiten Vergleich einen besonders hohen Wert auf dem „Human Development Index.“ Daniela Schneid Schuh: „Mit der zunehmenden Urbanisierung und veränderten Essgewohnheiten entstehen neue Gesundheitsprobleme wie Übergewicht, Bewegungsmangel oder Bluthochdruck, auch andere chronische Erkrankungen gewinnen an Bedeutung.”

In die neun Monate dauernde Studie eingeschlossen wurden viele öffentliche Schulen in Feliz, mit Schülerinnen und Schülern zwischen fünf und 16 Jahren. Die Interventionsgruppe bestand aus 73 Kindern in zwei Schulen, die Kontrollgruppe aus 140 Kindern. Das Programm bestand aus einmal monatlich abgehaltenen Seminaren und Workshops über Bewegung, Ernährungsgewohnheiten. Auch Bullying wurde thematisiert, nachdem Kinder über Unzufriedenheit mit ihrem Körperbild und über Bullying wegen Übergewichts berichtet hatten. Auch Aktivitäten für zu Hause wurden empfohlen, die die gesamte Familie in die Umsetzung der Ziele involvierten. Gesunde Ernährung in der Schule wurde auch durch thematische Poster und gesunde Snacks im Schulkiosk unterstützt.

Vor dem Interventionsprogramm gab es keine Unterschiede zwischen den beiden Studiengruppen: Die Kinder waren durchschnittlich neun Jahre alt, hatten einen durchschnittlichen Body Mass Index (BMI) von 19 kg/m2, 55,4 Prozent waren Mädchen. Nach neun Monaten wiesen die Kinder in der Kontrollgruppe einen signifikanten BMI-Anstieg auf. In der Interventionsgruppe blieb der BMI konstant, das Bewegungsniveau und der Obstkonsum stiegen an.

„Die Daten machen deutlich, dass Programme zur Vorbeugung und Behandlung von kindlichem Übergewicht immer wichtiger werden. Und es konnte belegt werden, das diese nicht aufwändig sein müssen. Schon relativ einfache Maßnahmen zeigen eine große Wirkung,“ kommentiert Prof. Dr. Eckart Fleck, Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK).

Quelle: ESC 2016 Abstracts Haas et al. Severly obese children and adolescents are at substantially higher cardiovascular risk: the PEP Family Heart Study; Schneid Schuh et al. Healthy School, Happy School: randomized clinical trial designed to stop obesity in children.

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Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz und Kreislaufforschung e.V. (DGK) mit Sitz in Düsseldorf ist eine wissenschaftlich medizinische Fachgesellschaft mit über 9500 Mitgliedern. Ihr Ziel ist die Förderung der Wissenschaft auf dem Gebiet der kardiovaskulären Erkrankungen, die Ausrichtung von Tagungen und die Aus-, Weiter- und Fortbildung ihrer Mitglieder. 1927 in Bad Nauheim gegründet, ist die DGK die älteste und größte kardiologische Gesellschaft in Europa. Weitere Informationen unter www.dgk.org.