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Medikamentöse Herzinfarkt-Vorbeugung: Cholesterin noch weiter senken

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Bislang hat die Medizin nicht viele Möglichkeiten, durch Einnahme von Medikamenten sogenannten Zivilisationskrankheiten gezielt vorzubeugen. Eine der wenigen Ausnahmen: Bei Menschen mit hohem Herz-Kreislaufrisiko reduziert die medikamentöse Senkung des LDL-Cholesterins nachweislich das Herzinfarktrisiko. Neue Studiendaten legen nahe, dass dabei in Zukunft noch niedrigere Werte empfohlen werden dürften als derzeit.

Berlin, 8. Oktober 2015 – „Bislang hat die Medizin eingeschränkte Möglichkeiten, die sogenannten Zivilisationskrankheiten durch medikamentöse Prävention zu verhindern“, so Prof. Dr. Harald Darius (Berlin), Präsident der Herbsttagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK), die vom 8. bis 10. Oktober in Berlin stattfindet. „Eine der wenigen Ausnahmen ist die medikamentöse Senkung des LDL-Cholesterins mit Hilfe von Statinen, die bei Menschen mit hohem Herz-Kreislaufrisiko nachweislich das Herzinfarktrisiko reduziert.“

Allerdings wurde immer wieder diskutiert, ob für diesen präventiven Effekt tatsächlich das LDL-Cholesterin verantwortlich zu machen ist, oder ob nicht vielleicht andere Wirkungen der Statine das Herz schützen. „Angesichts aktueller Studiendaten können wir jetzt jedoch sicher sein, dass es wirklich das LDL ist“, so Prof. Darius

Der Experte bezieht sich dabei auf die Studie IMPROVE-IT, in der die Wirkung von Ezetimib untersucht wurde. Diese Substanz hemmt die Cholesterinabsorption aus dem Darm. „Werden Patienten mit sehr hohem Herzinfarkt-Risiko zusätzlich mit Ezetimib behandelt, obwohl sie den ihrer Risikogruppe entsprechenden LDL-Zielwert mit einer Statintherapie erreichen, so sinkt nicht nur das LDL, sondern auch das Infarktrisiko“, fasst Prof. Darius zusammen. „Mit dieser Studie ist es erstmals gelungen, mit einem cholesterinsenkenden Medikament außerhalb der Gruppe der Statine eine Wirkung auf das kardiovaskuläre Risiko zu erreichen. Wir können also daraus schließen: Es sind nicht die Statine, es ist tatsächlich das reduzierte LDL, das risikosenkend wirkt.“

Diabetiker profitieren besonders von starker LDL-Senkung

Mittlerweile wurde eine Subgruppen-Analyse aus IMPROVE-IT vorgestellt, die zeigt, dass die Risikoreduktion durch Ezetimib bei Patienten mit Diabetes besonders deutlich ist. „Das war durchaus zu erwarten“, so Prof. Darius. „Diabetiker haben ein besonders hohes kardio-vaskuläres Risiko, daher ist es naheliegend, dass sie besonders von einer deutlicheren LDL-Senkung profitieren.“

Im Rahmen der IMPROVE-IT-Studie sank der LDL-Spiegel bei vielen Patienten auch unter den bislang als sehr niedrig geltenden und für Hochrisikopatienten empfohlenen Grenzwert von 70 mg/dl. Prof. Darius: „Es mehren sich also die Hinweise, dass wir unsere Empfehlungen anpassen sollten und dass der Grenzwert für Menschen mit sehr hohem Risiko, zum Beispiel Patienten, die bereits einen Herzinfarkt hatten, schon bald auf niedrigere Werte, zum Beispiel 53 mg/dl, gesenkt werden könnte.“

Das bedeutet für eine große Zahl von Patienten, dass eine Kombinationstherapie notwendig sein wird, da solche Werte mit Statinen alleine meist nicht nebenwirkungsfrei zu erreichen sind. „Als Kombinationspartner für Statine steht derzeit nur Ezetimib zur Verfügung. In Zukunft könnte noch die Gruppe der PCSK9-Inhibitoren hinzukommen, falls sie in dieser Patientengruppe zugelassen werden“, so Prof. Darius.

PCSK9-Inhibitoren müssen regelmäßig unter die Haut injiziert werden und ermöglichen eine massive Senkung des LDL-Cholesterins. Sie werden gegenwärtig in großen Studienprogrammen untersucht. Prof. Darius: „Erste Kandidaten für eine Therapie mit PCSK9-Inhibitoren sind Menschen, die aus genetischen Gründen unter extrem hohen Cholesterinspiegeln leiden.“

Sorgen, das LDL könnte durch eine solche Therapie auf einen zu niedrigen Wert absinken, seien nicht angebracht, so der DGK-Tagungspräsident: „In der IMPROVE-IT Studie gab es mehr als 4.000 Patienten, deren LDL konstant auf unter 40 mg/dL sank. Es gab hier eine gewisse Sorge, dass ein so niedriger Wert zu Nebenwirkungen führen könnte, zum Beispiel zu Problemen mit dem Gedächtnis oder der Sexualität. Das hat sich jedoch nicht bestätigt.“

Quelle: Cannon CP et al. Ezetimibe Added to Statin Therapy after Acute Coronary Syndromes. N Engl J Med. 2015 Jun 18;372(25):2387-97

Informationen:
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Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz und Kreislaufforschung e.V. (DGK) mit Sitz in Düsseldorf ist eine wissenschaftlich medizinische Fachgesellschaft mit über 9.000 Mitgliedern. Ihr Ziel ist die Förderung der Wissenschaft auf dem Gebiet der kardiovaskulären Erkrankungen, die Ausrichtung von Tagungen und die Aus-, Weiter- und Fortbildung ihrer Mitglieder. 1927 in Bad Nauheim gegründet, ist die DGK die älteste und größte kardiologische Gesellschaft in Europa. Weitere Informationen unter www.dgk.org.