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The impact of iron deficiency and anaemia on exercise capacity and outcomes in patients with chronic heart failure

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Dipl.-Biol. Nicole Ebner und PD Dr. Dr. Stephan von Haehling, Berlin

Begleiterkrankungen der Herzinsuffizienz rücken in den letzten Jahren im stärker in den Fokus des klinischen und wissenschaftlichen Interesses. Dies gilt in besonderem Maße für Anämie und Eisenmangel, für deren Behandlung klinischer Nutzen gezeigt werden konnte. Da sowohl Anämie als auch Eisenmangel mit einer Verschlechterung der körperlichen Belastbarkeit und einer Verschlechterung der Symptome der Herzinsuffizienz verbunden sind. Viele Fragen zur Rolle und Therapie sind trotzdem bisher nicht beantwortet worden. Im Allgemeinen sind anämische Patienten älter, häufiger weiblich und zeigen als Begleiterkrankungen Bluthochdruck und chronische Niereninsuffizienz. Daneben hat eine die Herzinsuffizienz begleitende Anämie einen entscheidenden Einfluss auf die Prognose. Daher wurde im Rahmen der multinationalen Beobachtungsstudie – „Studies Investigating Co-morbidities Aggravating Heart Failure“ (SICA-HF)  – bei Patienten mit Herzinsuffizienz sowohl die Prävalenz der Anämie und des Eisenmangels als auch die Auswirkungen auf die körperliche Leistungsfähigkeit und Mortalität untersucht.

Insgesamt wurden 331 ambulante Patienten mit stabiler chronischer Herzinsuffizienz eingeschlossen. Tabelle 1 zeigt die wichtigsten Parameter bei Einschluss der Patienten. Anämie wurde definiert entsprechend der Kriterien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als Hämoglobin unter 13 g/dL bei Männern und unter 12 g/dL bei Frauen. Die Diagnose des Eisenmangels wird anhand einer niedrigen Eisenbindungskapazität des Transferrins und veränderten Ferritin-Werten im Serum gestellt. Eisenmangel lag demnach vor, wenn das Ferritin im Serum unter 100 µg/L lag oder wenn das Ferritin im Serum zwischen 100 und 300 µg/L lag, dann kombiniert mit einer Transferrinsättigung <20%. Die Prävalenz der Anämie betrug 30% (n=98 Patienten) und die von Eisenmangel 45% (n=149 Patienten).

Es konnte gezeigt werden, dass die körperliche Leistungsfähigkeit mit dem Eisenmangel deutlich abnimmt und sich bei zusätzlicher Anämie weiter verschlechtert . Klinisch stellt sich die Anämie bei der Mehrzahl der Patienten als normochrome, normozytäre Anämie dar. Im Verlauf der Anämie steigt meist auch die Ausprägung des Hämoglobinabfalls mit zunehmendem Schweregrad der chronischen Herzinsuffizienz an.

In diesem Zusammenhang konnte gezeigt werden, dass die maximale Sauerstoffaufnahme als quantitativer Wert zur Beurteilung der Schwere der chronischen Herzinsuffizienz direkt mit dem Hämoglobinwert korreliert (Abbildung 1). Diese Korrelation ist bei anämischen Patienten besonders stark ausgeprägt, was darauf hinweist, dass hier die Anämie zusätzlich zur Symptomatik der chronischen Herzinsuffizienz beiträgt. Die Prävalenz von Eisenmangel ist im Vergleich zur Anämie bei Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz sogar noch deutlich höher. Auch wurde eine Reduktion der körperlichen Leistungsfähigkeit parallel zur Abnahme der Eisenbindungskapazität beobachtet. Die Analyse des Einflusses der beiden Begleiterkrankungen auf die körperliche Leistungsfähigkeit eröffnet neue Einblicke in die Komplexität der Herzinsuffizienz.

Insgesamt verstarben in dieser Studie 91 Patienten während einer mittleren Nachbeobachtungszeit von 18 ± 12 Monaten. Die Mortalitätsraten nach 6, 12 und 24 Monaten waren 4,8% (95% CI 4,7-4,9), 10,4% (95% CI 9,4-12,0) und 20,1% (95% CI 17,9-22,1). Insgesamt waren 40 verstorbene Patienten anämisch und 47 zeigten einen Eisenmangel. Tabelle 2 zeigt die Parameter der verstorbenen Patienten, im Vergleich zu den Patienten, die überlebten. Patienten, die verstorben sind, zeigten signifikant höhere New York Heart Association-Klasse, niedrigere linksventrikuläre Ejektionsfraktion, niedrigeren Hämoglobin Spiegel, niedrigere maximale Sauerstoffaufnahme unter Belastung, eine geringere zurückgelegte Strecke im 6 Minuten-Gehtest, einen größeren Durchmesser des linken Vorhofs und häufiger eine eingeschränkter Nierenfunktion, waren also insgesamt in einem meist fortgeschritteneren Stadium der Herzinsuffizienz.

Es konnte zudem gezeigt werden, dass die Anämie ein unabhängiger Vorhersageparameter für das Versterben ist, auch wenn die Analyse an andere Vorhersageparameter wie Alter, New York Heart Association-Klasse, hoch sensitives C-reaktives Protein und Kreatinin angepasst wurde (Tabelle 3). Interessanterweise zeigte die Anwesenheit einer mikrozytären Anämie ein 4-fach höheres Risiko an zu versterben.

Zusammenfassend wurde gezeigt, dass Anämie und Eisenmangel wichtige Begleiterkrankungen bei Herzinsuffizienz sind. Der Einfluss von Anämie allein und Eisenmangel allein auf die Leistungsfähigkeit scheint nicht so stark wie beide zusammen zu sein. Unabhängig vom Eisenmangel zeigt das Vorhandensein einer Anämie einen Prädiktor für das Versterben an, auch nach Adjustierung hinsichtlich der stärksten Einflussgrößen. Zukünftige Studien müssen zeigen, welche Maßnahmen bei einer Anämie zu wählen sind. Der Einfluss der Gegenmaßnahmen bei einer Anämie, wie Gabe von Erythropoietin, Bluttransfusionen und Eisen auf die Standardtherapien der chronischen Herzinsuffizienz ist ebenfalls noch unzureichend erforscht. Die Korrektur der Anämie bei chronischer Herzinsuffizienz könnte einen positiven Effekt auf den klinischen Status des Patienten haben. Der Zeitpunkt der Gegenmaßnahmen der Anämie sollte ebenso in zukünftigen Studien im Focus stehen.

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