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Klinische und soziodemographische Determinanten des Erfolges stationärer kardiologischer Rehabilitation bei älteren Patienten

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Annett Salzwedel, Berlin

Hintergrund: Der Behandlungserfolg der kardiologischen Rehabilitation (CR) wurde bislang anhand einzelner Zielvariablen (z. B. Steigerung der maximalen Leistungsfähigkeit im Belastungs-EKG, Zielwerterreichung von kardiovaskulären Risikofaktoren) gemessen abgeschätzt, sodass  eine Bestimmung von Determinanten des ganzheitlichen Rehaerfolgs bisher nicht möglich war. In vorliegender Untersuchung wurde das im Projekt EVA-Reha® Kardiologie entwickelte Multiple Ergebniskriteriums (MEK), das den Erfolg der CR in den klinischen Dimensionen Kardiovaskuläre Risikofaktoren, Körperliche Leistungsfähigkeit sowie Subjektive Gesundheit zusammenfasst [1], hinsichtlich wirksamer äußerer Einflussgrößen untersucht.

Methoden: Das MEK konnte für 1220 Patienten (70,8±7,0 Jahre; 78,3% Männer), die zwischen 02/2009 und 06/2010 im Rahmen des Projektes EVA-Reha® (Evaluation der Rehabilitation) in 10 Kliniken eingeschlossen wurden, berechnet werden. Dieser zusammengesetzte Score bildet die Änderungen von 13 Parametern (z. B. arterielle Hypertonie, max. Gehstrecke (6-min-Gehtest), NYHA oder Depressivität) während der CR auf einer Skala von -1 (verschlechtert) bis 2 (sehr gebessert) ab [1-3]. Es wurden hierbei patientenindividuell lediglich Änderungen für diejenigen Parameter berücksichtigt, für die ein Interventionsbedarf bestand (Tabelle 1). Für die Identifikation der Determinanten wurde eine Vielzahl möglicher Einflussgrößen (soziodemographische Daten, Baseline-Parameter der Indikatoren des MEKs, Komorbiditäten, Krankenhausverweildauer, Komplikationen, Labordaten und echokardiographische Parameter) erhoben. In der univariaten Testung korrelierende Variablen wurden in einem gemischten Modell analysiert, in dem der Klinikeinfluss als zufälliger Effekt berücksichtigt wurde.

Ergebnisse: Die Patientencharakteristik ist Tabelle 2 zu entnehmen. Den größten Einfluss auf das MEK (im Mittel 0,6±0,45) hatten das Rauchen (MEK -0,15 vs. Nichtrauchen, 95% CI -0,22 – -0,07; p<0,001), weibliches Geschlecht (MEK -0,07 vs. männl., 95% CI -0,13 – 0,00; p=0,049), Depressivität (MEK +0,06 für die Änderung des Depressionswertes um eine Standardabweichung (SD), 95% CI 0,02 – 0,1; p=0,003) und die arterielle Hypertonie (MEK +0,06 für die Änderung des Blutdrucks um eine SD, 95% CI 0,02 – 0,09; p<0,001). Darüber hinaus hatten die Krankenhausverweildauer, die Ruhe-Herzfrequenz, die maximale körperliche Belastbarkeit sowie die Rehabilitationszentren selbst einen statistisch signifikanten Einfluss auf das MEK (Abbildung).

Schlussfolgerung: Wesentliche Einflüsse auf den Rehabilitationserfolg älterer Patienten wie Rauchverhalten, Geschlecht und Depressivität konnten identifiziert werden. Die Untersuchungsergebnisse sollten – nach erfolgter Evaluierung des MEKs für jüngere Patienten – für die Entwicklung zielgruppenspezifischer Rehabilitationskonzepte genutzt werden. 

Variables of
Multiple Outcome Criterion (MOC)

Need for intervention

Risk factors  
Arterial hypertension

41.9%

LDL cholesterol

53.1%

Triglycerides

32.0%

Physical performance

 

Heart rate (resting)

28.6%

Maximal exercise capacity

96.8%

Maximal walking distance

94.6%

Heart failure (NYHA)

77.5%

Angina pectoris (CCS)

8.9%

Subjective health

 

IRES-24: pain

88.4%

IRES-24: somatic health

97.2%

IRES-24: Psychological well-being

95.2%

HADS: depression

31.8%

HADS: anxiety

32.4%

Tabelle1: LDL, low density lipoprotein; NYHA, New York Heart Association; CCS, Canadian Cardiovascular Society; IRES, Indicators of rehabilitation status; HADS, Hospital anxiety and depression scale 

Variable mean±SD
Age (years) 70.9±7.0
Hospital stay (days) 12.5±7.0
Rehabilitation period (days) 20.5±3.0
Gender (m) 955 (78.3%)
BMI (> 30 kg/m2) 199 (16.3%)
Living situation (family/partner) 970 (79.5%)
Education (> secondary school) 515 (42.2%)
Indication

postoperative

conservative/interventional

 

744 (61.0%)

471 (38.7%)

Risk factors

Arterial hypertension

Hyperlipoproteinemia

Positive family history

Diabetes mellitus

Smokers/Ex-smokers*

 

1015 (83.2%)

963 (78.9%)

513 (42.0%)

315 (25.8%)

161 (13.2%)

Patients with comorbidities 599 (49.1%)
Conspicuous emotional status**

Anxiety (n=536)

Depression (n=537)

 

54 (10.1%)

61 (11.4%)

Tabelle 2: *< 5 years abstinent; hospital anxiety and depression scale ≥ 11; BMI, Body Mass Index

  

Literatur:

  1. Röhrig B, Salzwedel A, Linck-Eleftheriadis S, Völler H, Nosper M. Outcome-basierte Einrichtungsvergleiche in der stationären kardiologischen Rehabilitation – Ergebnisse aus dem Projekt EVA-Reha® Kardiologie. Rehabilitation 2014 [submitted]
  2. Salzwedel A, Nosper M, Röhrig B, Linck-Eleftheriadis S, Strandt G, Völler H. Outcome quality of in-patient cardiac rehabilitation in elderly patients – identification of relevant parameters. Eur J Prev Cardiol. 2014;21:172-80.
  3. Röhrig B, Nosper M, Linck-Eleftheriadis S, Strandt G, Salzwedel A, Völler H. Ergebnismessung und -bewertung kardiologischer Rehabilitation anhand von Qualitätsindikatoren – eine Methodenbeschreibung. Rehabilitation 2014;53:31-7. 

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