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Der Einfluss vorbestehender neurologischer Erkrankungen auf das Outcome nach primär erfolgreicher prähospitaler kardiopulmonaler Reanimation bei Erwachsenen

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Dr. Zeynep Bal, Erlangen

Hintergrund: Die jährliche Inzidenz der kardiopulmonalen Reanimation bei außerklinischem Kreislaufstillstand mit kardialer Ursache beträgt in Europa zwischen 50 und 66 pro 100.000 Einwohner. Von den prähospital reanimierten Patienten nach Herz-Kreislauf-Stillstand überleben nur wenige ohne bleibende oder mit nur sehr leichten neurologischen Einschränkungen. Das Outcome der reanimierten Patien-ten wird wesentlich vom Ausmaß eines hypoxischen Hirnschadens bestimmt. Das Ziel dieser Studie war es, herauszufinden, ob vorbestehende neurologische Erkrankungen bei prähospital erfolgreich reanimierten Patienten einen unab-hängigen Prognosemarker darstellen.

Methoden: Es wurden 50 konsekutive Patienten nach primär erfolgreicher prähospitaler Rea-nimation wegen Kammerflimmern oder Asystolie eingeschlossen. Alle Patienten wurden einer milden therapeutischen Hypothermie unterzogen. Die Ziel-temperatur von 33° C wurde für 24 Stunden aufrechterhalten, anschließend erfolgte eine kontrollierte Wiedererwärmung auf 37° C. Zur Beurteilung des Outcomes wurde eine spezielle Skala, die sog. „Cerebral Categories Scale (CPC)“ (CPC 1-3: gutes Outcome; CPC 4-5: schlechtes Outcome) verwendet. In Ergänzung zu klinischen und laborchemischen Parametern untersuchten wir den Einfluss von vorbestehenden neurologischen, kardiovaskulären (z.B. koronare Herzerkrankung, Herzinsuffizienz, arterielle Hypertonie, Rhythmusstörungen), metabolischen sowie Lungen- und Lebererkrankungen auf das neurologische Outcome.

Ergebnisse: Das Alter war bei Patienten mit schlechtem Outcome signifikant höher (mittleres Alter 66±12 vs. 63±17 Jahre; p= 0.04). Hinsichtlich der Geschlechterverteilung fand sich in beiden Gruppen kein Unterschied. Bei Patienten mit ungünstiger Prognose konnten tendenziell häufiger metabolische Erkrankungen in der Vor-geschichte nachgewiesen werden (nicht signifikant, siehe Tabelle). Die Rate an vorbestehenden kardiovaskulären Erkrankungen (ischämisch, kongestiv, hyper-tensiv, arrhythmisch) war in beiden Gruppen ausgeglichen. Eine vorbestehende neurologische Erkrankung bestand bei 13 von 50 Patienten (cerebraler Insult (7; 58%), Epilepsie (2; 17%); M. Parkinson (2; 17%), Demenz (1; 8%)) und war in der Gruppe mit ungünstigem Outcome signifikant häufiger anzutreffen als in der Gruppe mit guter Prognose (38% vs. 6%, p = 0.02).

  Alle (n=50) Schlechtes Outcome

(n=32)

Gutes Outcome

(n=18)

P-Wert
Mittleres Alter (Jahre) 65±12 66±13 63±17 0.04
Männliches Geschlecht 36 (72%) 20 (63%) 16 (89%) 0.06
Neurologische Erkrankungen 13 (26%) 12 (38%) 1 (6%) 0.02
Kardiovaskuläre Erkrankungen 38 (76%) 24 (75%) 14 (78%) 1.0
Metabolische Erkrankungen (Diabetes) 14 (28%) 11 (34%) 3 (17%) 0.21
Pulmonale Erkrankungen (COPD) 4 (8%) 2 (6%) 2 (11%) 0.61
Lebererkrankungen 1 (2%) 1 (3%) 0 1.0

Zusammenfassung: Vorbestehende neurologische Erkrankungen stellen in unserem Patientenkollektiv einen unabhängigen Marker für eine ungünstige Prognose nach erfolgreicher kardiopulmonaler Reanimation bei Erwachsenen dar. Weitere Parameter, die für die Prognoseeinschätzung von Bedeutung sein können, sind der klinische Verlauf nach Reanimation, neurophysiologische Zusatzuntersuchungen (EEG, SEP, AEP), bildgebende Verfahren (CT, MRT) sowie laborchemische Marker einer Hirnschädigung (NSE, Protein S100).

Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz und Kreislaufforschung e.V. (DGK) mit Sitz in Düsseldorf ist eine gemeinnützige wissenschaftlich medizinische Fachgesellschaft mit mehr als 8500 Mitgliedern. Sie ist die älteste und größte kardiologische Gesellschaft in Europa. Ihr Ziel ist die Förderung der Wissenschaft auf dem Gebiet der kardiovaskulären Erkrankungen, die Ausrichtung von Tagungen die Aus-, Weiter- und Fortbildung ihrer Mitglieder und die Erstellung von Leitlinien. Weitere Informationen unter www.dgk.org