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Gering erhöhte Werte für Troponin I bestimmt mit einem ultrasensitiven Assay und Prädiktion inzidenter koronarer Ereignisse in der Allgemeinbevölkerung. Ergebnisse der MONICA/ KORA Augsburg Fallkontrollstudie

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Prof. Dr. Wolfgang Koenig, Ulm

 Hintergrund: Troponine sind sensible Marker einer myokardialen Schädigung. Die Bedeutung geringgradig erhöhter Troponinwerte für die Prognose klinisch gesunder Personen ist unzureichend untersucht.

Material und Methoden: Wir analysierten den Zusammenhang zwischen Troponin I, bestimmt mit einem ultrasensitiven Assay (Fa. Singulex, Alameda, Californien, USA; Single Molecule Counting Technology), und inzidenten koro-naren Ereignissen bei 2754 Männern und Frauen im Rahmen der MONICA/ KORA Augsburg Fallkontrollstudie. Die mittlere Nachbeobachtung betrug 16 Jahre (SD 5,8 Jahre). Zur Untersuchung des Zusammenhangs zwischen erhöhtem ultra-sensitivem Troponin I und inzidenten koronaren Ereignissen wurden Cox Regres-sionsmodelle mit unterschiedlichem Adjustierungsgrad berechnet. Zusätzlich wurden Maßzahlen für die Diskrimination und die Reklassifikation (NRI, IDI) berechnet. 

Ergebnisse: Troponin I-Werte waren bei nahezu allen Personen messbar (98%). Der geometrische Mittelwert betrug 1,56 pg/ml. In der Ausgangsuntersuchung waren die Patienten mit einem später aufgetretenen koronaren Ereignis etwas älter, hatten häufiger einen Diabetes, einen Bluthochdruck, höhere Gesamt-cholesterin- und niedrigere HDL-Werte sowie höhere Werte für NT-proBNP, Cystatin C, C-reaktivem Protein und Troponin I. Männer wiesen etwas höhere Werte auf als Frauen (geometrisches Mittel 1,93 vs. 1,27 pg/mL, p < 0.001). In der Cox Regressionsanalyse zeigte sich nach Adjustierung für den Framingham Risikoscore ein ca. 2,7-fach erhöhtes Risiko für ein inzidentes koronares Ereignis in der obersten Quartile im Vergleich zur untersten Quartile. Die zusätzliche Adjustierung für NT-proBNP, Cystatin C und C-reaktives Protein ergab keine relevante Änderung. Im letzten Analyseschritt wurde dann zusätzlich die C-Statistik zur Diskrimination berechnet. Hier ergab das Basismodell (Framingham Risikoscore) bereits eine Area under the curve (AUC) von 0.836 sodass die zusätzliche Bestimmung von ultrasensitivem Troponin zu keiner signifikanten Verbesserung der Diskrimination führte (AUC 0.848). Auch die Reklassifikationsindizes zeigten nur geringe Veränderungen.

Schlussfolgerung: Zusammenfassend kann gesagt werden, dass in der vorliegenden bevölkerungsbezogenen Fallkohortenstudie ein starker Zusammenhang zwischen selbst leicht erhöhten Troponin I-Werten, bestimmt mit einem ultrasensitiven Assay, und der Langzeitprognose dieser Personen bezüglich koronarer Ereignisse gefunden wurde. Aufgabe weiterer Langzeitstudien wird es sein, zu untersuchen, welche klinischen Implikationen sich aus den nur gering erhöhten Troponinwerten für die weitere Diagnostik bzw. gegebenenfalls auch für die Therapie von sonst klinisch gesunden Personen ergeben können.

 

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