Grafenberger Allee 100
40237 Düsseldorf
Tel.: + 49 211 600692-0
Fax: + 49 211 600692-10
info@dgk.org
pressemitteilung-dgk

Anwendung der Stressechokardiographie in Österreich

Abdruck frei nur mit Quellenhinweis
Pressetext als PDF - gegebenenfalls mit Bildmaterial

Dr. David Weidenauer, Wien

Hintergrund: Unter den nicht invasiven diagnostischen Untersuchungsmethoden in der Kardiologie ist die Stressechokardiographie (SE) ein kostengünstiges, sensitives Verfahren ohne Strahlenbelastung. Ihre entsprechende Anwendung wird von den Europäischen (ESC) und Amerikanischen kardiologischen Gesellschaften (AHA/ ACC), sowie von der Amerikanischen und Europäischen Gesellschaft für Echokardiographie, in den Empfehlungen, Richtlinien und Konsensusstatements beschrieben und empfohlen. Da in österreichischen Spitälern in der klinischen Routine eine seltene Anwendung der Stressechokardiographie (SE) beobachtet wird, war es Ziel dieser Studie, die Anwendung der SE in Österreich zu erfassen.

 Methodik: In den Jahren 2013 und 2008 wurde per E-Mail ein Link zu einem webbasierten Fragebogen mittels E-Mail an 117 österreichische kardiologische oder allgemein internistische Abteilungen geschickt. Dabei wurden die Häufigkeit der SE Untersuchung, die Anzahl der Untersucher pro Abteilung, die Indikationen und die angewandten Techniken für die Jahre 2012 und 2007 erhoben und ausgewertet.

 Ergebnisse: Es wurden die Daten aller Krankenanstalten mit kardiologischen bzw. internistischen Abteilungen in Österreich erfasst. Die SE wurde im Jahr 2007 von 58 (49,6%) und im Jahr 2012 von 57 (48,7%) Abteilungen durchgeführt. Im Jahr 2012 wurde die SE in 25 der 29 kardiologischen Abteilungen angewandt. Mehr als 100 SEs wurden im Jahr 2007 von vier (6,9%) und im Jahr 2012 von fünf (8,7%) Abteilungen durchgeführt. Im Jahr 2012 wurden zur Stressinduktion die physikalische Belastung, Dobutamin, sowie Dipyridamol von 15 (26,6%), 52 (91,20%) und 5 (8,7%) der Abteilungen genutzt. Adenosin und Pacing wurden von je einer (1,75%) der Abteilungen angewendet. Kontrastmittel kam im Jahr 2012 in 26 (45,6%) und Strain Rate Imaging in 11 (19,3%) Abteilungen zum Einsatz. Die Transösophagale SE wurde in sechs (10,5%) und 3D-Bildgebung in vier (7%) Abteilungen angewendet.

 

Jahr 2012 2007
Anzahl der Abteilungen mit SE 57 58
Anzahl der UntersucherInnen 123 179
Maximale Anzahl an SEs 1800 2110
Indikationen für SE
Ischämiediagnostik 34 43
Vitalitätsdiagnotik 24 30
Low-flow, low-gradient Aortenstenose 42 44
Symptomatische Mitralinsuffizienz 6 10
Evaluierung einer Hypertrophen Kardiomyopathie 15 7

 

Diskussion: Obwohl die SE international als Standardmethode in vielen Bereichen der kardiologischen Diagnostik gilt, ist ihr nationaler Stellenwert äußerst gering. So wurde die SE sowohl im Jahr 2012 als auch im Jahr 2007 sehr selten angewandt. Die wesentlichen limitierenden Faktoren für die Aussagekraft der SE sind die Schallqualität und die Abhängigkeit vom Untersucher. Laut der Amerikanischen Gesellschaft für Echokardiographie sind mindestens 100 SE-Untersuchungen unter Supervision eines erfahrenen Stressechokardiographen notwendig, um das Mindestmaß an Kompetenz zur selbstständigen Durchführung und Interpretation der SE zu erlangen. Zur Aufrechterhaltung dieser Kompetenz werden mindestens 100 SE Untersuchungen pro Jahr empfohlen. Aus den erhobenen Daten geht hervor, dass diese Qualitätsstandards in den meisten Abteilungen nicht eingehalten werden konnten. Ein möglicher Grund für die seltene Durchführung der SE könnte die fehlende Verrechenbarkeit dieser in Österreich sein. Bei steigenden Spitalskosten und Patientenzahlen sollte man nicht zuletzt aus ökonomischer Sicht überlegen, ob man einen seiner „besten Spieler“ (hohe Spezifität, hohe Sensitivität, fehlende Strahlenbelastung, kostengünstig) auf der „Ersatzbank“ lassen soll. In kardiologischen Ordinationen und Ambulanzen könnte die SE die wichtige Rolle eines „Gatekeepers“ übernehmen. Ohne großer Veränderungen der Rahmenbedingen, wie z.B. durch Änderung der Verrechnung oder durch Kursangebote, wird die SE in Österreich wohl auch in Zukunft in der Schublade bleiben.

 

Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz und Kreislaufforschung e.V. (DGK) mit Sitz in Düsseldorf ist eine gemeinnützige wissenschaftlich medizinische Fachgesellschaft mit mehr als 8700 Mitgliedern. Sie ist die älteste und größte kardiologische Gesellschaft in Europa. Ihr Ziel ist die Förderung der Wissenschaft auf dem Gebiet der kardiovaskulären Erkrankungen, die Ausrichtung von Tagungen die Aus-, Weiter- und Fortbildung ihrer Mitglieder und die Erstellung von Leitlinien. Weitere Informationen unter www.dgk.org