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Initiale Leukozytenzahl ist ein unabhängiger Risikofaktor für das Überleben von Patienten mit dilatativer Kardiomyopathie

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Initial white blood cell count is an independent risk factor for survival in patients with dilated cardiomyopathy / Initiale Leukozytenzahl ist ein unabhängiger Risikofaktor für das Überleben von Patienten mit dilatativer Kardiomyopathie

Priv.-Doz. Dr. med. Alexander Riad, et al., Greifswald

Die dilatative Kardiomyopathie (DCM) ist durch eine ventrikuläre Dilatation und systolische Dysfunktion charakterisiert. Die DCM stellt den dritthäufigsten Grund für eine Herzinsuffizienz dar und ist der häufigste Grund für eine Herztransplantation. Der klinische Verlauf von Patienten mit dieser Erkrankung variiert stark. Während sich bei vielen Patienten die linksventrikuläre Funktion wieder bessert, führt die DCM jedoch bei einem signifikanten Anteil langfristig zu erhöhter Morbidität und Mortalität. Da häufig eine Aktivierung des Immunsystems bei Patienten mit DCM beobachtet wird, untersuchten wir im longitudinalen Ansatz, ob bei Patienten mit DCM die Leukozytenzahl im Blut, die im Rahmen der ersten Hospitalisierung quantifiziert wurde, mit der Mortalität assoziiert ist.

Insgesamt wurden zwischen 2005 und 2011 381 Patienten eingeschlossen, die folgende Kriterien erfüllten: 1. Linksventrikuläre systolische Dysfunktion (echokardiographische Ejektionsfraktion ≤45%), 2. Ausschluss einer ischämischen oder valvulären Genese der linksventrikulären Dysfunktion mittels Koronarangiographie bzw. 2D-Echokardiographie, 3. Bestimmung der Leukozytenzahl während der ersten Hospitalisierung, und 4. Bekannter Vitalstatus (ermittelt durch zuständige Einwohnermeldeämter; Minimum Follow-up 3 Monate). Bei 291 Patienten erfolgte zusätzlich eine Entnahme von rechtsventrikulären Biopsien. Der Beobachtungszeitraum betrug im Median 2,9 Jahre. Bei Patienten mit hochgradiger linksventrikulärer Dilatation (linksventrikulärer end-diastolischer Diameter [LVEDD] >70 mm) war eine Leukozytenzahl über 11 Gpt/l mit einer signifikant erhöhten Mortalität assoziiert im Vergleich zu Patienten mit einer Leukozytenzahl ≤ 11 Gpt/l (41,7% vs. 13,6 %, p=0,02) (Abbildung 1). Eine multivariable Cox Regressionsanalyse zeigte, dass die Leukozytenzahl die Mortalität unabhängig von anderen kardiovaskulären Risikofaktoren (Diabetes Mellitus, Nikotinabusus, arterielle Hypertonie), sowie der linksventrikulären Ejektionsfraktion vorhersagt (Hazard Ratio 1,14; p=0,04). Auch die Herzinsuffizienzmedikation unterschied sich nicht signifikant bei Patienten mit einer Leukozytenzahl ≤ 11 Gpt/l im Vergleich zu > 11 Gpt/l (Prozent der Maximaldosis: ß-Blocker p=0,51, ACE-Hemmer p=0,56, AT1 Antagonisten p=0,77, Aldosteronantagonisten p=0,35). Immunhistologische Analysen von Endomyokardbiopsien zeigten, dass weder die Leukozytenzahl, noch Immunzellsubpopulationen im Blut mit einer kardialen Immunzellinfiltration korrelierten (CD3+-Lymphozyten: r=0,02, p=0,78; CD68+-Makrophagen: r=1,0, p=0,09; n=291) (Abbildung 2). Somit hat die initiale Leukozytenzahl im Blut unabhängig von kardiovaskulären Risikofaktoren eine signifikante Bedeutung für die Vorhersage der Mortalität von Patienten mit DCM und hochgradiger linksventrikulärer Dilatation. Es zeigte sich keine Assoziation zwischen peripherer und kardialer Immunzellzahl.

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